Eine Stimme für die Koalition
Schade eigentlich: Steffen Seibert wird Verkäufer
Ich habe ihn immer zu meinen Leuten gezählt, denn ich habe ihn mit meinen Gebühren finanziert, Steffen Seibert, Nachrichtenmann und Moderator vom ZDF. Ich habe ihn immer gern gesehen, ihm alles geglaubt, denn ich durfte annehmen, dass die Nachrichten im ZDF journalistisch sauber recherchiert waren. Seine Art sie zu verkünden hatte etwas – um ein altmodisches aber treffendes Wort zu verwenden – treuherziges.
Nun hat es mit der Treue ein Ende, und er wird Sprecher der Bundesregierung. Er wird nicht mehr die Wahrheit verkünden, sondern das als Wahrheit verkaufen, was diese Regierung der Bevölkerung sagen möchte. So etwas kommt vor. Ein angesehener und vor allem gern gesehener Journalist orientiert sich neu und wird Verkäufer.
Nichts gegen Verkäufer! Wenn der Käseonkel mit den blauen Augen auf dem Wochenmarkt mir zum Rohmilchkäse rät, spüre ich persönliches Engagement und Fachkompetenz. Wenn er fragt: „Darf es etwas mehr sein?“ werde ich immer zustimmen, und ich weiß, dass er die Ware kennt, genau abgewogen und sauber verpackt hat.
Aber kann Steffen Seibert das? Welche Ware hat er zu bieten? Warum wird er Sprecher dieser Regierung? Ich kann seinen Schritt nicht nachvollziehen. Meine Kanzlerin dagegen verstehe ich gut. Weil sie endlich ein sympathisches Gesicht aufbieten kann, einen Mann, dem Millionen bisher Glauben schenkten, und der nun ihre Politik verkauft. Treuherzig.



