Mut und Risiko

Von Hunden und der Freiheit der Satire

Copyright: Emanuel Eckardt

Zeichnung: Emanuel Eckardt


MAGDA trauert. Emanuel Eckardt, Reporter, Autor und Karikaturist, zeichnet gern Möpse und fürchtet um die Freiheit der Satire.

Anfang der Siebziger Jahre hatte ich Charlie Brown unter den Händen, als junger Redakteur für Humor und Satire im stern durfte ich die deutschen Texte in die Sprechblasen schreiben. Charlie Brown und die Peanuts erschienen dort jede Woche. Ich liebte Snoopy (der nie etwas sagte), aber jeden Tag in „Krieg und Frieden“ las. Immer nur ein Wort.

Die satirische Wochenschrift Charlie Hebdo gab sich ihren Namen nach dem Serienhelden des Zeichners Charles M. Schulz (1922-2000), doch von den liebenswert ironischen Peanuts, in denen nur Kinder auftraten, trennten die Redakteure der Zeitschrift Welten.

Die Zeichner von Charlie Hebdo waren angriffslustig, direkt, mutig und grenzüberschreitend. Satire darf alles. Das war ihre Überzeugung. Ihre Mohammed-Karikaturen veralberten nicht den Propheten, sondern die Islamisten, die seinen Namen missbrauchten. Die wahren Feinde des Islam sind nicht Karikaturisten, sondern die Bilderstürmer, Mörder und Terroristen, die vorgeben im Namen Allahs zu handeln.

Der Anschlag mit dem Ziel, mitten in Paris eine ganze Redaktion niederzumachen, ist ein zynischer Racheakt gegen Wehrlose. Aber der spontane Zusammenschluss von anderthalb Millionen Menschen, die sich versammeln, um für Pressefreiheit und Menschenrechte zu demonstrieren, ist ein Zeichen der Hoffnung. Europa erlebte einen Volkstrauertag. Es hat schon etwas Berührendes, wenn in der ersten Reihe der Trauernden Angela Merkel und François Hollande marschieren, zwei Politiker, die von Charlie Hebdo ziemlich unsanft angegriffen wurden. Aber das zählt nicht. Was zählt, ist, dass sie es durften. Die Mörder von Paris sind tot. Im Paradies, von dem sie träumten, werden sie auf ihresgleichen treffen. Es muss die Hölle sein.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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