Ungewöhnlicher Einsatz an der Costa del Sol

Hebammendienste am Ufer

Copyright: Monika Rößiger

Costa del Sol (Foto: Monika Rößiger)

Am Spülsaum des Wassers angekommen, erschrickt er erst einmal. Es ist gar kein Delphin ... sondern ein Hai! Von der Schnauze bis zur langgezogenen Spitze der Schwanzflosse beinahe zwei Meter lang. Der Knorpelfisch wirkt weder krank noch verletzt, nur erschöpft. Der Zimmermann will ihn an der hinteren Flosse packen und zurück ins Meer bugsieren. Doch plötzlich sieht er eine zweite – kleinere – Schwanzflosse unter dem Bauch des Tieres auftauchen. Offenbar handelt es sich um ein Hai-Weibchen bei der Niederkunft.

Sofort beschließt der tierliebe Handwerker, Erste Hilfe zu leisten. „Falls die Mutter sterben sollte, so könnten zumindest ihre Jungen leben“, erklärt er hinterher gegenüber einer Lokalzeitung. Also steht er dem Hai bei, während ein Sprössling nach dem anderen „schlüpft“. Inzwischen haben sich weitere Anwohner am Strand versammelt und umringen die werdende Fisch-Mutter. Vorsichtshalber wurde die Guardia Civil alarmiert, und bald eilt ein Beamter der „Spezialeinheit zum Schutz der Natur“ herbei.

Zehn Junge kommen schließlich zur Welt – dem Augenschein nach „bei bester Gesundheit“. Das sagen die Anwesenden zu einer Reporterin. Mit vereinten Kräften hieven einige Leute die frisch gebackene Mutter zurück ins Meer, trotz der morgendlichen Kälte. Sie wird später als Hundshai identifiziert, eine lebendgebärende Art, die auch in der Nordsee vorkommt und auf der Roten Liste als „gefährdet“ steht. Für Menschen ist sie nicht gefährlich. Die Geschichte ist tagelang Gesprächsthema und schafft es sogar in die Abendnachrichten des Fernsehens.

Eine Freundin, die in der Region weilt, berichtet mir davon per Mail. Erst denke ich, das klingt ja fast zu schön, um wahr zu sein. Dann rufe ich bei der Guardia-Civil in Málaga an. Der Pressesprecher betätigt: „Die Geschichte stimmt. Der diensthabende Kollege hat in Uniform dem Hai geholfen. Er hat ihn mit anderen auf den Arm genommen und zusammen sind sie dann ins Meer gewatet. Als ihnen das Wasser bis zur Hüfte reichte, haben sie das Tier frei gelassen – und es schwamm davon.“


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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