Daneben sein ist alles

Warum bei Doping nur die Todesstrafe hilft

Wie das im Sport geht, hat wohl keiner so wunderbar einfach formuliert wie der Fußballtrainer Otto Rehhagel. „Mal verliert man, mal gewinnen die anderen“, sagte er. Das ist eine Betrachtungsweise, wie sie klüger und endgültiger nicht sein kann; bei soviel Weitsicht verzeiht man dem gelernten Maler und Anstreicher sogar, dass vor vielen Jahren „Rubens“ am Türschild seiner Münchner Wohnung prangte. Dabei dachte ich schon, es gäbe keine Steigerung zum früheren Fußballspieler Andreas Möller, als er nach dem Spiel frisch geduscht vor der Kamera stand und folgendes verlautbarte: „Mein Problem ist, dass ich sehr selbstkritisch bin, auch mir gegenüber.“

Doch einer schlägt sie derzeit alle. Björn Ferry heißt der Mann, der wo gerade Olympiasieger im Biathlon geworden ist. Wenn du ihn reden hörst, müsstest du eigentlich den ganzen Tag Aua schreien, Dummheit soll ja bekanntlich weh tun. Bevor er sich das Gold umhängen durfte, was ihm kaum einer in Vancouver gönnte, hatte er in seinem schwedischen Heimatblättchen Västerbottens Dagblad über die Verbrechen an Körper und, na ja, Geist ziemlich böses Blut vergossen: „Von mir aus“, sagte er, „könnte es bei allen Dopingurteilen gern die Todesstrafe geben. Oder zumindest wiederholte Schläge auf die Eier.“

Alter Schwede! Ich finde, diese Aussage kann man nicht so stehen lassen. Zum einen sagt er nicht, wie der Tod bei den Blutsündern vollstreckt werden soll. Werden sie an den Baum gestellt und mit dem Gewehr erschossen, das ihm sowieso schon über der Schulter hängt? Oder, schlimmer noch: Werden sie mit Lothar Matthäus eine Woche lang in einen Raum gesperrt? Müssen sie mit Christoph Schlingensief nach Burkina Faso fahren? Einer Bibelstunde mit Peter Hahne beiwohnen? Werden sie gezwungen Weißwürste mit Hackl Schorsch zu essen, bis sie platzen? Und zum anderen: Was, wenn es sich um Frauen handelt? Hängt man sie dann an einen Tropf mit Frostschutzmitteln, damit sie eiskalt ihr Leben aushauchen?

Ich kann mir diesen Hass nur damit erklären, dass Ferrys Frau Heidi Weltmeisterin im Armdrücken ist. Wirklich wahr. Da hat der Ärmste zuhause wahrscheinlich nichts zu sagen und wird von seiner Gattin regelmäßig übern Tisch gezogen. Vermutlich hat auch sein Hirn in den vielen Rennen mit der Zeit zu wenig Sauerstoff bekommen, so dass es völlig verblödete und höchstens noch beim Schießen einigermaßen funktioniert. Da Scheibe! Du treffen! Oder er hat die vielen spöttischen Witze über seinen Sport nicht mehr ertragen, einer der schönsten ist vermutlich dieser: Bei  Schwulenwettkämpfen sind Bi-Athleten grundsätzlich ausgeschlossen. Aber deshalb jedem gleich den Tod zu wünschen, der sich mit freundlicher Unterstützung der Apotheke zum Sieg schummelt? Ich finde, da gibt es im Sport härtere Maßnahmen als das gemeine Ableben, selbst wenn es so verdammt endlich ist. Hier ein paar Beispiele:

  • Lukas Podolski den kategorischen Imperativ und die dritte binomische Formel unter besonderer Berücksichtigung von Lattenschüssen erklären. Johannes Baptist Kerner moderiert.
  • Mit Waldemar Hartmann von der ARD, dem früheren Gastwirt, eine Olympianacht lang mit viel geistigem Dünnschiss Hefeweizen trinken und am Morgen danach unter ihm liegend bis zum Erbrechen im Zweierrodel durch den Eiskanal rasen.
  • Die Biografie von Oliver Kahn von der ersten bis zur letzten Seite lesen und solche Passagen wie „Die Trennung von meiner Frau hat nichts mit ihrer Person zu tun“ hundertmal abschreiben. Und es anschließend mit Sebastian Kehl halten, der da sagte: „ Es ist immer ein schönes Gefühl, den Olli hinten drin zu haben.“
  • Das Rennrad von Lance Armstrong klauen, ihm deinen alten Drahtesel überlassen, und seinen heißen Atem bis Alpe d`Huez im Nacken spüren. Oben dann den Heldentod sterben, später zur Urinprobe auf die Damentoilette gehen und nicht können können.  

Also, wie gesagt, vielleicht wäre dies alles noch viel qualvoller, als von Björn Ferry standrechtlich erschossen zu werden oder von ihm was aufs Gemächte zu kriegen. Mittlerweile hat er sich für seinen hirnlosen Querschläger auch schon entschuldigt. Er hätte nur auf höhere Strafen aufmerksam machen wollen, sagt er, aber sicher ist auch: Den Skispringern aus Österreich wäre so was niemals passiert. Die haben nämlich den Kölner Karnevalisten Jonathan Briefs als Humorberater engagiert. Er bringt ihnen das Lachen bei. Wenn sie mal wieder aus der Spur sind.


 

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Caspar Bildner

http://www.paperbite.de

Dienstag, 23-02-10 02:31

Wir haben Euren Beitrag verlinkt:
http://www.paperbite.de/presseschau/kultur/humor/sportistmordamwort

 
 

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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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