Stumm, Bienchen, stumm!

Warum die Bienen sterben wie die Fliegen

Von Claus-Peter Lieckfeld

Sie kennen das doch auch, oder? Manchmal bekommt man an einem Tag zwei Meldungen, die für sich genommen unauffälig sind, zusammengenommen aber etwas erzählen, was weit mehr ist als die Summe aus 1 und 1.
Am Morgen las ich in der "Neuen Zürcher Zeitung", dass an der deutsch-schweizerischen Grenze Bienenschmuggler festgenommen wurden. Fast schon ein Anschlag auf die Schweizer Volksgesundheit und die Ernährungslage der Eidgenossenschaft war zu beklagen. (Dazu gleich mehr.)

Ein paar Stunden später bat mich meine Schwester, doch bitte das an mich zu nehmen, was unsere jüngst verstorbene Mutter von mir aufgehoben hatte. Unter diversen Zeugnissen früher Tierleidenschaft in Wort und Buntstiftbild fand ich die steilschriftige Schul-Interpretation eines Gedichtes von Theodor Storm „Abseits“.

Besonders angeregt hatte ich mich mit einer Strophe beschäftigt, in der die Heide-Bienenidylle summt:

Kaum zittert durch die Mittagsruh /
ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten /
Dem Alten fällt die Wimper zu /
Er träumt von seinen Honigernten  …
Kein Klang der aufgeregten Zeit /
drang je in diese Eisamkeit.


Und jetzt machen die Biene weltweit Schlagzeilen - in aufgeregter Zeit. Ihr transglobales Sterben – an Seuchen, Agrarchemie aber auch an purer Überzüchtung – bedroht, wohl schon mittelfristig, die Welternährung. Bis zu einem Drittel dessen, was uns zwischen die Zähne kommt, ist davon abhängig, dass Bienen den Bestäubungsjob erledigen. Auf Honig könnte die Welt verzichten, auf Myriaden unbezahlter Bestäuber nicht.

Der Bienenschmuggel an der Grenze hatte sich vor dem Hintergrund abgespielt, dass in der Schweiz bis zu 70% der Bienenvölker den letzten Winter nicht überlebt hatten. Zuzüglich der Attacken durch Milben (wegen der Varoa-Milbe duldet die Schweiz nur strengstens kontrollierten Bienen-Genzverkehr) und einer Handvoll anderer Bienenkrankheiten drohen offenbar massive Ausfälle bei der Apfelernte im Wallis und Unterernährung der Almkühe. Ohne Bienen kein Klee, ohne Klee keine gesunde Kuhernährung...

Von Albert Einstein soll der Satz stammen, dass der Mensch das Verschwinden der Bienen nur um vier Jahre überleben wird. Sind wir kurz vor Schluss? Schon wieder oder immer noch.

Ich gehe hinaus. Die Kastanienblüte ist fast zuende.Keine Biene weit und breit.
Mir wird angst.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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