Die Kirche auf der Kirche

San Francesco zu Assisi und die Doppel-Bödigkeit der Heiligenverehrung

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Franz von Assisi - in der Rubens-Version (Foto: Wikipedia)

Ein Reisender, der sich ohne kunstgeschichtliche Kenntnisse der Kirche des Heiligen Franziskus im umbrischen Assisi nähert, wird, sobald er über eine sanft abfallende Rasenfläche der Eingangstüre des Gotteshauses nähertritt, über dessen Fassade staunen: Die Wand samt Portal steht ohne jede Sockelzone direkt auf dem rasenbedeckten Untergrund - es scheint, als wolle die gesamte Kirche sogleich im Erdboden versinken.

Dieser seltsame Eindruck hat eine verborgene, von dieser Stelle aus nicht erkennbare Ursache: Der rasenbewachsene Boden vor der Kirche ist nämlich eine Aufschüttung späterer Zeit - das künstlich gestaltete Gelände läßt zunächst nicht erkennen, daß der Besucher durch jenes Portal das OBERGESCHOSS einer doppelstöckigen Kirche betritt: Das Gotteshaus, das die letzte Ruhestätte des Heiligen darstellt, ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Konstruktion mit doppeltem Boden! Erst im Inneren der Oberkirche - sie ist einleuchtender Weise jüngeren Entstehungsdatums - steigt man in die eigentliche Grabeskirche hinunter, der man nach ihrer Errichtung einfach ein zweites Geschoß übergestülpt hat.

Die Baugeschichte der im Jahre 1997 durch mehrere kurz aufeinanderfolgende Erdbeben schwer beschädigten Doppelkirche ist nicht nur für Architekten von Interesse, sondern ebenso für Sozialwissenschaftler und Psychologen. Die erste Kirche, später zum Untergeschoß erniedrigt, ist wie das angrenzende Kloster auf einem Hügel erbaut worden, der zuvor als Colle inferiore (unterer Hügel), vielleicht aber auch als Colle d’inferno (Höllenhügel) bezeichnet worden war - er wurde später, jetzt ein Ort der Heiligenverehrung, in Colle del paradiso, Paradieshügel, umbenannt. In dieser Namensänderung kann man geradezu ein Leitmotiv jener Handlungsweise erblicken, die auch die gesamte Baugeschichte von San Francesco geprägt hat - der Kirche mit dem doppelten Boden.

Am 17. Juli 1228 legte Papst Gregor IX. höchstselbst den Grundstein für einen Kirchenbau (eben die spätere „Unterkirche“) auf dem genannten Hügel - am Vortage hatte er den „Mann aus Assisi“ heiliggesprochen, anderthalb Jahre nach dem Tod des Francesco am 4. Oktober 1226. Bereits am 25. Mai 1230 wurden die Gebeine des Heiligen in die damals noch gar nicht fertiggestellte Kirche überbracht, was in aller Heimlichkeit geschah, um einem Reliquienraub vorzubeugen - offiziell hatte man den Tag danach, den 26. Mai, als Datum der Umbettung angekündigt. Auch der Ort des Grabes wurde strikt geheimgehalten - und ist erst 1818 entdeckt worden. Die Krypta, in der das Grab des Francesco heute besichtigt werden kann, hat man 1822 nach Plänen von Pasquale Belli errichtet und 1925-1932 nochmals umgestaltet. Dieses Grab, eine weitere Seltsamkeit, ist also zugleich der älteste und der neueste Teil des gesamten Kirchenbaues.

Wie bereits erwähnt, war das Kirchengebäude bei der Grablegung von 1230 noch gar nicht fertiggestellt. Freilich muß das Bauwerk selber wohl schon vollendet gewesen sein, wenngleich noch an der Innenausstattung gearbeitet wurde, als man sich, jetzt in einem einzigartigen Projekt Kirche auf Kirche setzend, zum Bau der oberen Etage entschloß. Fra Elia, der den Bau der Unterkirche geleitet hatte, hatte 1239 als Ordensgeneral zurücktreten müssen. Jene Oberkirche, für die er mithin nicht mehr verantwortlich zeichnete, wurde vermutlich in den frühen vierziger Jahren des 13. Jahrhunderts geplant, gewiß ist dies aber keineswegs. Verbürgt ist allerdings, daß Unter- und Oberkirche von Papst Innozenz IV. gemeinsam geweiht wurden, als das Kirchenoberhaupt 1253 Assisi besuchte. Auch dieses Datum muß nicht bezeugen, daß die Oberkirche damals schon vollendet gewesen wäre. Die Innenausstattung war es gewiß nicht - mit der Anlegung der Fresken hatte man noch nicht einmal begonnen...

Erst wesentlich später hat die schier ungezügelte Baulust der Ordensherren, die sich als Heiligenverehrung darbot, die anderen Gebäudeteile hinzugefügt, die dem heute zugänglichen Gebäudekomplex  sein markantes Gesicht verleihen: Das Ortatorium gegenüber der Eingangshalle in der Mitte des 15. Jahrhunderts, die Klosteranlage in ihrer heutigen Gestalt 1472 - 1474, die Renaissancevorhalle 1487. Die Gesamtanlage des Klosters machte auch jene gewaltigen Substruktionen erforderlich, die dem Hügel ein von weithin sichtbares vermauertes, in keiner Hinsicht noch paradiesisch anmutendes Aussehen verleihen. Die Kapellen der einschiffigen Unterkirche wurden im frühen 14. Jahrhundert angebaut, und schon hier zeigt sich deutlich, wie robust die Gestaltung der Gesamtanlage angepackt wurde - beim Kult um einen großen Heiligen ist den Erbauern dieses Heiligtumes wahrlich nichts heilig gewesen. Bei der Öffnung der Kapelleneingänge wurden nämlich die Wandmalereien, die ein unbekannter Maler - Franziskusmeister genannt - um 1260 in Tempera ausgeführt hat, soweit zerstört, daß von den jeweils dargestellten Szenen aus dem Leben des Francesco von Assisi, etwa von der Darstellung der berühmten Vogelpredigt, nur etwa je die Hälfte erhalten geblieben ist.

Weiter sollen uns die architektonischen und kunstgeschichtlichen Einzelheiten hier nicht interessieren. Erwähnenswert ist jedoch, daß die Kirche nicht - wie ansonsten üblich - mit dem Altar nach Osten, sondern genau umgekehrt nach Westen weist. Und noch eine zweite Seltsamkeit soll nicht vergessen werden: Das Obergeschoß, die „Kirche auf der Kirche“, wirkt deutlich größer - und dies ist Keine durch größere Höhe und Helligkeit bewirkte Täuschung, sondern Tatsache: Infolge dünnerer Maueren ist die Oberkirche 2,90 Meter länger und 1,60 Meter breiter als die Vorgängerin, der man sie aufgesetzt hat.

Fassen wir nach dem Bauwerk und seiner Geschichte nun den hierfür  verantwortlichen Franziskanerorden ins Auge!  Es wurde ja bereits erwähnt, daß der Ordensobere Bruder Elia, der den Bau der romanischen „Unterkirche“, d.h. der eigentlichen Grabeskirche geleitet hatte, nicht mehr für Planung, Konstruktion und Bau der gotischen Oberkirche zuständig gewesen ist - er war zwischenzeitlich aus der Mönchsgemeinschaft ausgestoßen worden und erlebte sein Lebensende als exkommunizierter Außenseiter...

Nach dem Tode des Francesco im Oktober 1226 war im Februar des Folgejahres zwar Johannes Parenti zum Ordensgeneral gewählt worden, doch Elias, der das Amt schon zuvor von dem durch Krankheit geschwächten Francesco zeitweilig übernommen hatte, behielt offenbar dennoch als eine Art „Graue Eminenz“ alle Zügel in Händen. Für den Bau der Grabeskirche trommelte er denn auch unermüdlich und mit zum Teil recht verwegenen Methoden das nötige Geld zusammen - im Namen eines Heiligen, der sich „mit der Dame Armut“ (poverta) vermählt hatte und deshalb der „Poverello“ genannt wurde. 1332 erreichte Bruder Elias sogar, daß Parenti abgesetzt und er selber zum Ordensgeneral gewählt wurde.

„Diese stürmischen Intrigen zeigen, wie schnell sich innerhalb des Ordens Parteien bildeten“ schreibt Henry Charles Lea in seiner „Geschichte der Inquisition“.

Schon seit den Anfangstagen des Ordens hatte es Meinungsverschiedenheiten über die Frage der „absoluten Armut“ gegeben, die nach dem Willen des Ordensgründers im Zentrum der Ordensregel stand. Diejenigen, die nach dem Tode des Francesco seiner Überlieferung strikt folgen wollten, fanden sich schon bald in der Rolle einer isolierten Minderheit wieder, „und man kann sich leicht vorstellen, mit wie bitterer Empfindung die ehrlichen Mitglieder den schnellen Verfall des Ordens beobachteten, einer Bitterkeit, die noch gesteigert wurde durch den Gebrauch, den Elias von seiner Stellung machte. Seine weltliche Sinnesart und seine Grausamkeit, heißt es, brachten den ganzen Orden in Verwirrung. Seine Regierung war willkürlich: sieben Jahre lang hielt er, den Bestimmungen zum Trotz, kein Generalkapitel ab. Er erhob Steuern von allen Provinzen, um den großen Bau in Assisi zu vollenden. Die, welche ihm Widerstand leisteten, wurden nach fernen Orten verbannt.“

Dann, 1239, war das Maß voll: Papst Gregor IX. sah sich gezwungen, ein Generalkapitel nach Rom einzuberufen, währenddessen er Elias sehr deutlich bedeutete, daß er seine Amtsniederlegung wohlwollend akzeptieren werde. Wenig später wurde der jetzt gestürzte, ehedem so mächtige Mann obendrein noch exkommuniziert.

Der Streit um die Auslegung der Ordensregel wurde allerdings erst etwa achtzig Jahre nach dem Sturz des Elias entschieden - kraft Amtes und gegen jene Minderheit, die für eine strikte Auslegung dieser Regel eintrat (und sich selber als „Spiritualen“ bezeichnete). Am 17. Februar des Jahres 1317 wies Papst Johannes XXII. seine Inquisitoren an, alle Mönche, die sich „Brüder vom armen Leben“ (Fratres de paupere vita) nannten, wie Ketzer zu verfolgen - und noch im selben Jahr, am 7. Oktober, erließ er die päpstliche Bulle „Quorundam exigit“, in der eine „großzügige“ Auslegung der Armutsregel festgeschrieben wird. Diese Bulle schließt mit dem bezeichnenden Satz: „Groß ist die Armut, aber größer die untadelige Führung, und das größte Gut ist vollkommener Gehorsam.“ Am 7. Mai 1318 wurden vier jener „Minderbrüder“, die bis zuletzt den Gehorsam gegen das Armutsgebot ihres Ordensgründers für wichtiger erachtet hatten als die gehorsame Unterwerfung unter die päpstliche Autorität, nach sechsmonatigem Prozeß in Marseille als Ketzer verbrannt - so geschehen 65 Jahre nach der päpstlichen Weihung der Doppelkirche von Assisi.

Es läßt sich allerdings nicht verhehlen: Jener San Francesco, dem seine vier Minderbrüder ergeben bis in den Tod auf dem Scheiterhaufen gefolgt sind, war wortwörtlich ein recht seltsamer Heiliger. Heute, da bleibt kein Zweifel, gilt er als DER Heilige Italiens; zudem ist er zu einer Art Kult- und Leitfigur einer Epoche geworden, in der die Menschheit nach Art eines Lemmingszuges blindlings dem Abgrund der ökologischen Katastrophe entgegenstrebt. Die Naturverehrung des Heiligen, seine Wertschätzung aller Kreaturen - dies scheint vielen ein hervorragendes Gegenwicht zu bilden gegen jenes naturvernichtende Verwertungs- und Ausplünderungsverhalten, zu dessen Rechtfertigung der biblische Schöpfungsauftrag („Macht Euch die Erde untertan!“) seit zweitausend Jahren immer wieder hat dienen müssen.

Wie immer es sich damit im Einzelnen verhalten mag - ich persönlich, das sei nicht verhohlen, empfinde solche Konstruktionen meist als recht gewagt und kann keine „Frühform ökologischen Denkens“ darin sehen, wenn ein Mensch in einen Rosenstock springt - : sicherlich ist dieser von der Katholischen Kirche geheiligte Mann schon zu seiner Zeit eine außerordentlich auffällige Erscheinung gewesen. Sicher ist allerdings auch, daß seinem Leben stets eine gewisse Zwiespältigkeit angehaftet hat - was ihn, jedenfalls in meiner Perspektive, ganz gewiß nicht herabsetzt, sondern ihn allenfalls menschlicher geraten läßt. Als mißlich empfinde ich hingegen, wenn eine solche Ambiivalenz im verklärenden Licht des Kultus, der Heiligenverehrung, außer Sicht gerät, denn dann ist allemal blanke Heuchelei die Folge; jene Heuchelei, wie sie in der Doppelbödigkeit jener Grabeskirche so unmittelbar sinnfällig Ausdruck findet.

Francesco, reicher Eltern Sohn, hieß eigentlich Giovanni di Bernardone - der Name, den er als weltbekannter Heiliger trägt, war ursprünglich sein Spitzname, geprägt von seiner Vorliebe für französische Ritterromane. 1198 geriet Giovanni in die Gefangenschaft der Nachbarstadt Perugia, nachdem er an einem Kriegszug hatte teilnehmen wollen. Auch der zweite Versuch, ein berühmter Ritter zu werden, scheitert schon in der unmittelbaren Nachbarschaft der Heimatstadt - in Spoleto. Ein heftiger Wunsch nach Ruhm und Geltung hat den Tuchhändlerssohn aus dem toscanischen Lucca offenkundig schon früh geprägt. Später wurde er, als er wieder einmal mit seinen Zechkumpanen bei Tische saß, wegen seiner nachdenklichen Miene verspottet - er sinne wohl über seine Braut nach, hieß es. Heftig stand er von der Tafel auf und sagte: „Jawohl, ich will mich mit der Dame Poverta (Frau Armut) vermählen!“ - ging hinaus und kehrte nicht zurück. Er „wünschte so arm zu sein, wie man nur arm sein kann, und wachte wie ein eifersüchtiger Liebhaber darüber, daß kein anderer ihm seine geliebte Braut Armut entführe“ heißt es in einer zeitgenössischen Biographie.  Daß diese Haltung wohl kaum mit dem Ideal uneigennütziger, demütiger, christlicher Liebe zusammenstimmt, stört den Autor offenbar nur wenig.

So liegt es nahe, bei dem verhinderten Ritter Giovanni/Francesco jene Destruktivität der mächtigen, quälenden und so rasch im Sinne eines „Alles oder Nichts!“ ineinander umschlagenden Ideale zu vermuten, die schon so viel Leid über die Welt gebracht haben. Auch die bereits erwähnte Szene des Sich-Werfens in den Rosenstock mutet aus ernüchterter Sicht doch eher als selbstquälerischer Fanatismus an, und nicht als Ausdruck einer wirklichen Partnerschaft mit der nicht-menschlichen Mitwelt.

Eine ähnlich skeptische Haltung hat auch Eugen Drewermann vorgetragen: „Allerdings kommt man selbst bei der Gestalt des hl. Franziskus ehrlicherweise nicht umhin“, heißt es in seinem Buch „Der Krieg und das Christentum“, „sich psychologisch einzugestehen, daß die Person dieses großen Mannes, vielleicht sogar der vornehmsten und größten Gestalt des Abendlandes, wesentlich durch den verdrängten Haß auf den Vater und dessen ödipale Ersetzung durch den himmlischen Vater geprägt ist; die Einstellung des hl. Franziskus ist unmittelbar eine antithetische Idealbildung gegen die Gewalttätigkeit und Gewinnsucht seines Vaters.“

Drewermanns Hinweis, daß eine derart motivierte „reine Liebe“ eben nicht „rein“, sondern problematisch ist (was sie nicht per se entwerten muß), spricht mir aus dem Herzen. Es heißt, diese Problematik verleugnen, wenn wir ein verklärendes Bild des Heiligen zeichnen und ihn blind verehren wollen; freilich mutet es wie eine ironische Pointe der (Kunst-) Geschichte an, wenn sich solche Widersprüche und Zwiespältigkeiten, in Stein gehauen und ins Gigantische vergrößert, am Ende in der Konstruktion einer Grabeskirche mit doppeltem Boden widerspiegeln.

Versuchen wir uns an einer abschließenden Betrachtung:

Ein Mensch in seinem Widerspruch, dem nichts wichtiger zu sein scheint als Bescheidenheit, Demut und Hingabe, der die Armut feiert und Pomp und Kult verachtete, wird in einer großen, später noch einmal aufgestockten Kirche begraben und verehrt, und diese Verehrung des zum Heiligen erhobenen Menschen, der den Frieden mit der Natur predigte, nimmt solche Formen an, daß zuguterletzt der gesamte Grabhügel mit gewaltigen Stützmauern befestigt und begradigt werden muß, um sein Auseinderbrechen unter der Last der auf ihm emporgetürmten Gebäude zu verhindern! Der Bau jener Gedächtnisstätte wird zunächst von einem Ordensgeneral geleitet, der mit strenger Hand und großer List die für dieses Werk erforderlichen Gelder eintreibt und dabei so viel Rücksichtslosigkeit bezeugt, daß er schließlich nicht nur sein Amt verliert, sondern auch aus der Gemeinschaft der Katholischen Kirche ausgeschlossen wird. Die wenigern Franziskanerbrüder, die sich buchstabengetreu an die Ordensregel und die Armutsverpflichtung, wie Francesco sie entworfen hatte, halten wollen, werden von der Heiligen Inquisition gefoltert und verurteilt und enden als Ketzer auf dem Scheiterhaufen...

Was also gibt es in San Francesco zu feiern? Ist jene Kirche mit dem doppelten Boden nicht, genau betrachtet, ein Mahnmal des Scheiterns? Und wäre es nicht angebracht, auf anderen, stilleren Wegen dieses Scheiterns zu gedenken, wie sie der Mann aus Assisi selber seinen Nachfahren ganz gewiß anempfohlen hätte?

Ein ebenso berühmter wie nachdenklicher Italienreisender, Johann Wolfgang von Goethe, 1786 unter falschem Namen von Venedig nach Rom unterwegs, scheint diese Doppelbödigkeit sehr deutlich gespürt zu haben. Er passierte Assisi am 25. Oktober, „an einem herrlichen Morgen“. Allerdings war er stark verärgert über die Zusammenkunft mit einem päpstlichen Hauptmann, mit dem er von Bologna bis Perugia die Kutsche hatte teilen müssen, und der ihn gefragt hatte, ob es wahr sei, daß Protestanten ihre Schwestern heiraten dürften. An Assisi nun interessiert Goethe einzig der Minervatempel: „Die ungeheuren Substruktionen der babylonisch übereinander getürmten Kirchen, wo der heilige Franziskus ruht, ließ ich links mit Abneigung, denn ich dachte mir, daß darin die Köpfe so wie mein Hauptmannskopf gestempelt würden.“

Es ist gewiß nicht nötig (und in meinen Augen auch nicht erstrebenswert!), Goethes antikisierenden Kunstgeschmack zu teilen, um ihm in dieser Frage recht zu geben. Auch, wer die Innigkeit der Cimabue-Fresken bewundert hat, als sie noch nicht durch das terremoto von 1997 zerstört worden waren, auch wer sich an all den anderen Details von Architektonik und Ausstattung dieser merkwürdigen Doppelkirche erfreut, wird gut daran tun, der Tatsache eingedenk zu bleiben, daß er dabei wortwörtlich auf doppeltem Boden steht.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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