Es reicht
Niederdeutsche Hoffnungen
Heute noch mal minus 12. Die norddeutsche Tiefebene liegt platt und bretthart da. Strahlt persilweiß. Schnee knirscht krachend unter den Füßen. "Es reicht", sagen alle. An der Tankstelle. Auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt. "Es reicht", sagen wildfremde Leute beim Schaufeln und Schieben. Sieht ja hübsch aus. Gerade jetzt, wo die Sonne so fein drauffunkelt. Aber die Rutscherei. All die Knochenbrüche. Und die Heizkosten! Nein, also wirklich. Nicht mal Karneval haben wir hier im Norden. Kein Trost. Nur Frost. "Es reicht", findet auch die Nachbarin und schlägt die Fäustlinge zusammen.
Nun dürstet der Mensch nach Veränderung. Wärmt sich an den Aussichten für den März. "Im Märzen der Bauer...", stimmt ja. Auch wenn es nur selten noch Rösslein sind, die er anspannt. Meist schwingt er sich auf einen bunt lackierten PS-Boliden von Fendt, John Deere oder Deutz-Fahr, knipst im schallgedämmten Führerhaus den immerfröhlichen Lokalsender an und kachelt los. Brroooaaam rein in den Matsch. Die Erde aufbrechen. "Er pflüget den Boden, er egget und sät / und rührt seine Hände frühmorgens und spät...."
Der Frühling wird kommen. Muss kommen. Dann grünt viel Grühühüün. Alles wächst wieder. Und wir streifen mindestens drei Schichten Wolle ab. Dann gibt es Lämmer. Und Schützenfeste. Und Abschlussbälle. Sogar DSL sollen wir endlich bekommen. Doch davon später. Ach, uns wird schon ganz warm.




