Fleisches(un)lust

Pferd statt Rind auf der Pizza - Topmeldung mit Nachgeschmack

Etikettenschwindel! Pferd statt Rind auf der Pizza! Topmeldung in der Tagesschau. Würg! Das Thema muss man nachschmecken.
 
Ich solle ihn doch mal besuchen, ich würde mich doch sicher noch erinnern … die Siebziger … Germanistikstudium bei Hillmann in Hamburg …Gerhard aus Glücksstadt! … seit 1989 „Dscherah“, weil nach Lyon ausgewandert. Bien sure!

Wir hatten uns auf ein Arbeitsprojekt geeinigt: >>Deutsch/Französiche Vorurteile<<; ein schlankes Büchlein zum 50. Jahrestag der deutsch-französischen Freundschaft. Wurde leider nichts draus, vermutlich, weil wir uns schon beim ersten Kapitel so fundamental uneinig waren.

Und das kam so. Gerhard begann sehr trickreich mit Positionen zum Großkomplex kulinarische Vorurteile. Es stimme absolut nicht, sagte er, dass in Frankreich quasi überall gut gekocht und gegessen werde. Aber der Rinderbraten, den er, der Wahlfranzose, mir sogleich kredenze, werde alle positiven Vorurteile bestätigen und überflügeln. Er war ss-üpärböh, der Rinder…

„Reingefallen, das war Pferd.“, sagte Gerhard und grinste so süffisant wie nur ein Deutscher grinsen kann, der Wert darauf legt, französicher zu sein und kochen zu können als Franzosen.

Ich habe nicht zuende gegessen. Es schmeckte schlagartig … seltsam, befremdlich

Ähnlich könnte es mir gehen, wenn mir jemand in China Hund unterschöbe. Ekel.

Aber wäre nicht Abneigung, die durch den Kopf geht, bei anderen Eiweißlieferanten mindestens so angebracht: Schweine (so höre ich immer wieder) seien reichlich so intelligent wie Hunde. Und ganz sicher ebenso leidensfähig.

Warum esse ich gern - und wo immer er sich auf einer Speisekarte zeigt - Hase und habe in Cairns bei Känguru-in-Erdnusscremesauce arg gefremdelt? Lauftier Hase und Lauftier Känguru haben beide exzellentes Muskelfleisch.

Warum traue ich nicht den zuständigen, fachlich versierten Geschmacksknopsen, warum stattdessen diese Interventionen des Hirns?

Ich glaube, das kulturell angefressene Unterbewusstsein sondert Enzyme ab.

Weiß es wer besser?


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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