Tabubruch zum Neuen Jahr

Manchmal unterschätzen wir unsere kleinen geschuppten Freunde

Manchmal mag man Tiere nicht, auch ohne sie jemals probiert zu haben. Bei mir was das mit Karpfen so – bis zu diesem Silvester. Zum neuen Jahr blickt „Lieckfelds Tierleben“ diesmal aus rein kulinarischen Gesichtspunkten auf Mitglieder der Tierwelt.

Jeder - oder doch die große Mehrheit - tut mal einen Ausspruch, mit dem man dann sein Leben lang zitiert wird. Ich soll als Achtjähriger, angesichts eines glasigen, heiß-dampfenden Karpfen gesagt haben: „Das seh ich schon, das mag ich nicht!“

Dabei bin ich geblieben. Ohne jemals einen Bissen Karpfen probiert zu haben, bin ich bis Ende 2012 davon überzeugt gewesen, dass dieses Tier fürchterlich schmeckt. Wie ist das möglich?  Ich habe Paddy-Field Rats (Reisfeld-Ratten) in Südindien gegessen, habe mir grüne Ameisen in Australien auf die Zunge getupft,  habe  - wenn auch unter Aufbietung aller mimetischen Kräfte, die ich drauf habe - mongolischen Buttertee getrunken: Zwei Tassen in Folge! Damit gehöre ich in die europäische Spitzengruppe. In all diesen Fällen wusste ich, was auf mich zukommt und dass es schwer werden wird. Warum also bin ich lebenslang toten Karpfen ausgewichen? Frühkindliche Prägung? Ich weiß es nicht.

Diesen Silvester gab es dann plötzlich kein Ausweichen mehr. Die Frage der einladenden Gastgeberin hatte nur gelautet, ob denn Fisch recht sei?

„Aber natürlich, liebe Helga!“

Ich hatte an Kabeljau gedacht. Oder an Scholle. (Helga ist gebürtige Hamburgerin.) Gibt es etwas Besseres als Ewer-Scholle mit scharf angebratenen Speckstreuseln? Aber doch nicht an Karpfen!

Als das Großtier auf der festlich eingedeckten Tafel dann (gestückelt) aufschwamm, erwog ich sekundenschnell eine akute Magenverstimmung zu faken. Aber es war irgendwie zu spät...

Ehe ich hier das Wunder, das Gabelwunder von Türkheim und meine Bekehrung, zu schildern versuche, lieber das Rezept: Karpfen im Bierteig … Internet-Rezept, wie Helga einräumt.

 

 

 

 

Karpfen - Filet, nicht zu klein

  1¼ l

Bier, möglichst dunkles

125 g

Mehl

1 TL

Backpulver

1

Ei(er)

2 EL

Öl

1 TL

Senf

1 TL

Honig

½

Zitrone(n), nur den Saft

etwas

Salz und Pfeffer



Zubereitung

Das gewaschene und trocken getupfte Filet in Stücke schneiden. Zitronensaft, Honig, Pfeffer und Salz mischen und mit einem Pinsel das Karpfenfilet bestreichen.

Aus Mehl, Backpulver, Öl, Ei, Bier und einer Prise Salz einen dickflüssigen Teig herstellen.

Karpfenstücke in den Teig tauchen und im schwimmenden Fett (Friteuse) goldgelb backen.

Dazu Kartoffelsalat.

 


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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