Vom Rufen im Wald

Wer den Wald will, muss erkennen, dass das Reh ein Schädling ist

Was ist eigentlich ein Schädling?

Einfache Antwort: Ein Tier oder eine Pflanze, die schaden.

Schlechte Antwort! Es muss mindestens heißen: Die uns schaden.

(Ein Blauwal schadet dem Krill, eine Amsel dem Wurm; beide sind keine Schädlinge.)

Über Schaden lässt sich nur in Verbindung mit der „Wem-Frage“ sinnvoll reden. Mäuse, Kohlweißlingsraupen und der Kartoffelkäfer erkennen wir ganz klar als Schädlinge – sie sind >>Uns-Schädigende<<. Sie fressen das, was wir essen wollen. Im Beispielfall: Weizen, Kohl und Erdäpfel.

Wie aber, wenn man behauptete  - und schlimmer: wenn man es gar bewiese – dass Capreolus capreolus, das Europäische Reh, ein Schädling ist. Man hätte alle gegen sich: Die Tierfreunde, die Tierschützer, große Bataillone des Naturschutzes, die Jäger  … und ich glaube auch alle BILD-Leser und rund 90% aller Feld-Wald-und-Wiesen-Spaziergänger.

Dabei ist die heillose Überpopulation an Rehen ein wesentlicher Grund dafür, dass wir in Deutschland die Wälder, die alle wollen (auch die Naturschützer!), nicht bekommen: Artenreiche Mischwälder, die aufwachsen können, ohne dass man sie höchst kostenintensiv einzäunen muss. Diese Wälder sind gewissermaßen vorgeschrieben, sind politisch gewollt, sind überall als Vorgabe und Ziel in rechtskräftige Paragraphenwerke eingewurzelt. Sie sind absolut mehrheitsfähig über Partei- und Weltanschauungsgrenzen hinweg. Und sie wären ein stückweit Rettung vor allerlei Klimakalamitäten, wenn nicht …

Aber ach!

Der Rehbestand hat sich seit den Fünfzigern allein in Bayern verdoppelt. Weißtanne und etliche Baumarten kommen nicht hoch, weil sie buchstäblich zu Tode genibbelt werden. Artenreiche, natürliche Mischwälder wachsen hinter Draht oder garnicht auf. Verbiss, heißt das Schad-Phänomen forstfachlich.

Die organisierte Mehrheitsjägerschaft schafft es seit Jahr und Tag, alles zu blockieren, was den Weg zu erträglichen Schalenwilddichten öffnen könnte.

Aufruf an unbekannt: Es wäre eine Doktorarbeit wert, zu klären, wie eine kleine Lobbygruppe, wie die organisierte Jägerschaft, es über die Jahrzehnte schaffen konnte/kann, de facto Wild vor Wald durchzusetzen. Quasi gegen den Rest der Republik.

Ach ja: Nein! Das Reh ist kein Schädling. Das Reh ist gut. Die Rehe sind das Problem.

Mehr dazu auf der Homepage der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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