Nackte Gewaltandrohung

MAGDA-Serie "Mein schönster Rauswurf" - diesmal unter hochnotpeinlichem Verdacht

Von Franz-Werner Bodin

Feigenblatt. Be- oder ent-decken? Photo: Henning Hraban Ramm/pixelio

Dass einem auf Recherche der Zutritt verwehrt oder die Tür gewiesen wird, ist Journalisten-Alltag. Aber ich wurde mal einer ganzen Landschaft verwiesen, was nicht so oft geschieht. Unter Androhung körperlicher Gewalt geschah das – oder präziser: nackter Gewalt. Die Erinnerung schmerzt. Ganz tief drinnen. Dort, wo die Synapsen für Peinlichkeitsempfinden sitzen.

Ich hatte mich entschlossen, einen Artikel – Auftragsarbeit für ein Münchener Natur- und Umwelt-Magazin – vorort zu recherchieren. Arbeitstitel: "Rückkehr des Flussuferläufers" in die Pupplinger Au bei Wolfratshausen. Alles mit ein paar Live-Eindrücken würzen, hatte die Redaktion gesagt. Also nicht einfach nur: „Der Flussuferläufer (Actitis hypoleucos) steht im rötesten Teil der Roten Listen aussterbender Vogelarten. Er gilt in weiten Teilen Europas als verschwunden … aber an der Isar, auf den Schotterflächen nördlich von Wolfsatshausen, gib es ihn seit Kurzem wieder…“

Nein, so nicht! Sonder eher so: „Ich zerteile den Vorhang aus Salweidenblättern, hebe langsam das Fernglas und fokussiere das Schotterbett, in dem sich die Isar glucksend von einer Seite auf die andere wälzt  …“ Szenischer Einstieg. Leicht launig. Liest sich leichter.

Also, ich zerteile besagten Vorhang aus Salweidenblättern und schraube am Okular meines Swarowski-Glases (Typ Habicht). Da plötzlich eine Stimme, tief, dräuend, unerbittlich: „Du hast genau fünf Sekunden, dich zu verpissen, Scheiß-Spanner, elendiger!“

Ein Nackter, geschätzte Einsneunzig, reckt sich vor mir empor. Eine Nackte, ihm zu Füßen, rollt sich auf den Bauch und wirft Giftdolchblicke auf mich. Neben ihr - warum sehe ich das erst jetzt? – ein Schild :  FKK Gelände – Sonnentau e.V.

Jedes erklärende Wort hätte alles nur verschlimmert. Ich senke das Glas, dann die Augenlider und gehe. Etwas hat mich bis heute daran gehindert, jemals wieder die Pupplinger Au zu durchradeln oder zu durchwandern.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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