Rassehund-Rassismus?

Nie, nie, nie nicht ...

Von Claus-Peter Lieckfeld

(Foto: V. Straaß)

 

... hätte ich gedacht, dass ich mich noch mal gegen den Vorwurf des Rassismus verwahren müsste. Ich! ….. ausgerechnet ich!!!  … noch in reiferen Jahren (weit jenseits des besten Demonstrationsalters) wegen einer antifaschistischer Aktion angeklagt  …. und freigesprochen.

Ehe ich mich jetzt weiter errege, lieber eine Erklärung – und die bitte, liebe User, zum Weiterklicken, Vernetzen, Betrillern und Vertwittern! Folgendes passiert in unserem Dorf regelmäßig, wenn auch in Varianten: Ich gehe mit Luna gassi. Luna ist eine atemberaubend schöne Hundeschönheit. Eine jetzt knapp dreijährige Eurasierin. Eurasier ist die jüngste international (also von der FCI) anerkannte Hunderasse. Weil Luna so auffällig schön ist, gibt es häufig Fragen wie diese: „So ein schöner Hund … was ist da denn da alles drin?“

Wenn ich dann, möglichst beiläufig, antworte, es handele sich um einen Eurasier, einen (ich mag das Wort ja auch nicht) „Rassehund“, gibt es einen spürbaren Temperatursprung … nach unten.

Die Wahrscheinlichkeit ist in unserm Dorf nicht klein, dass man an eine „Hunde-aus-Spanien-oder-Portugal-Retterin“ oder an einen „Hunde-aus-dem-Tierheim-Erlöser“ gerät, Gutherrchen und Gutfrauchen, die dann anmerken, wie viel sinnvoller es doch wäre, gepeinigten Hunden ein Zuhause zu geben, als irgendwelchen, womöglich auch noch tierquälerischen Zuchtzielen zu frönen.

Ich sage wie es ist: Als Herrchen oder Frauchen eines Rassehundes ist man per se und „right on the spot“  rassismusverdächtig. Da gibt es in unserem Dorf zum Beispiel diese schlanke, rehäugige Frau von zwei Straßen weiter, die – wie  das Dorf weiß – vor zwanzig Jahren mal Top-Modell war, und ihr … Podencoartiger. („artig“, nicht wegen folgsam , sondern von art-verwandt). Ihr Hund, Raoul, ist ein bis ins Stammhirn traumatisierter Ex-Portugiese, der wahrscheinlich die ersten Lebensmonate ums nackte Überleben kämpfen musste und nun jeden anderen Hund anfällt und nach jeder Hand schnappt, die ihm zu nahe kommt (etwa wenn jemand seinen Hund vor Raouls finalem Genickbiss retten will). Ein ungesicherter Revolver, ein beidseits scharfes Stilett, ein potentielles Säureattentat im offenen Glas, dieser Hund! Aber echt mix und mulikultureller Migrationshintergrund!

Als die Rehäugige mir kürzlich – charmant und mit feiner Ironie – verriet, dass sie dieses „Rassehund-Getue“ genauso absurd fände wie den „Marken-Fetischismus, dem sie ja mal selbst aufgesessen gewesen sei …“, erlaubte ich mir diese Replik: „Wir haben immer wieder drei kleine Enkelinnen zu Besuch. Wir wollten nicht zuletzt deshalb einen Hund, der so sicher, so kindersicher wie nur irgend möglich ist. Also wollten wir einen Hund, der auf Gelassenheit und Souveränität selektiert ist und der von sich aus – also quasi genetisch veranlagt – Distanz zu allen Menschen hält, die nicht unmittelbar zu seinem „Rudel“ gehören … und da sind wir auf diese Hunderasse gekommen. Auf einen Eurasier, der von allen Hunderassen all das am besten erfüllt…“

In den Wind geredet. Na klar.

Ein anderes Mal habe ich eine ähnliche Erklärung wie die an das Ex-Top-Modell gerichtete mit der rhetorischen Demutsgeste eingeleitet, dass ich es wunderbar und aller Ehre wert fände, Tierheimhunde aufzunehmen. Aber der Abnehmer, müsse dann schon auch bereit sein, Traumata und virulente Defekte des erlösten Hundes aufzuarbeiten bzw. zu beseitigen.

Defekte ????

Der Hinweis kam ganz schlecht: „Defekte“ hätten doch schließlich die Rassehunde.

Stimmt auch wieder … teilweise jedenfalls. Man kann es nicht rundum leugnen. Manche Rassestandards sind so festgelegt, dass sie „Tierquälerei nach Rassestandard“ sind (Hautwülste, zwischen denen die Haut gammelt wie bei Sharpeis, sich progressiv selbst zerlegende Wirbelsäulen wie bei Bassets, angezüchtete Atemmot wie bei Englischen Bulldoggen und Pekinesen etc. etc)

Aber doch nicht Eurasier … Meeeensch!  Ignorantenbande !!!

Ich werde mir jetzt ein „Gassi-geh-T-Shirt“ drucken lassen mit der Zeile: „Ich habe einen Rassehund, und ich bin kein Rassist“. Aber dass damit irgendetwas besser wird, wage ich kaum zu hoffen. Vielleicht die Qualität der Gespräche?  Das wäre ja schon mal was.
 
Zum Thema:

Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V.

Weltorganisation der Kynologie
 
 
 
 


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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