Jetzt röhren sie wieder

Der Herbst droht schon wieder mit Abwürfen

Von Claus-Peter Lieckfeld

Photo: Blumenia/pixelio

„Und das Tollste, er saugt auch mit maximaler Leistung, wenn das Laub feucht ist!“ Der Mann vom Baumarkt, als Vorführ-Laubsauger und Kundenberater abgestellt, kann das gleich vor Ort demonstrieren. Er hält den Rüssel eines „Turbo-Laubsaugers“ der Marke …(nein, die Marke ist mir sowas von egal!) … in ein Holzgeviert, das mit sorgfältig besprenkeltem Kastanienlaub befüllt ist. Und, Sie ahnen es: Schwuuuuuuuuuuuffff … und das Zeugs verflüchtigt sich im Gekröse des Turbos.

Die verbissene Wut, mit der nun bald wieder dem begegnet wird, was die Natur dem Recycling anheim geben möchte, verstört mich jedes Jahr aufs Neue. Die Natur schmutzt! – grenzüberschreitend.

Der Nachbar einer älteren Freundin hat im Vorjahr Laubsaugerstunden in Rechnung gestellt, weil das Laub, das seinen Garten befiel, gewissermaßen Fremdwurf war – Gartenzaun überschreitend. Geschätzte 75 Prozent seines Laubanfalls, so musste es sich meine Freundin (74) anhören, würden ursächlich von ihren zwei Birken und ihren vier halbwüchsigen Eschen verursacht.

Als ich vor einigen Jahren mal eine dezent ironische Bemerkung in Richtung eines anderen Laubwerkers machte, sozusagen in eine Röhrpause hinein, da zog der Angesprochene den Unterschenkel seines Spielbeins blank: „Sehen Sie diese weiße Narbe … ja schauen Sie nur genau hin! Genäht! Letztes Jahr bin ich auf glitschigem Laub ausgerutscht und gegen die Kante der Rasenbegrenzung … hier genau hier!“ Ich schaute mir die scharf hochkant gestellte Begrenzungsplatte an, aber es war keine Blutspur mehr zu erkennen.

Es gab mal eine Zeit, da war mit herbstlichem Röhren der Brunftschrei des Rotwildmannes (vulgo Hirsch) gemeint. Aber das ist gefühlte hundert Jahre her.

 


 

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Helga

Sonntag, 26-09-10 21:57

Der Artikel spricht mir aus der Seele.

 

Helga

Sonntag, 26-09-10 21:57

Der Artikel spricht mir aus der Seele.

 
 

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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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