Die Bàzis

Oberbayerische Miniaturen, Teil 8

Von Tom Dauer

Copyright: Tom Dauer

Der Löwenzahn ist verblüht, die Apfelbäume nicht. An den ersten Schnitt ist dennoch nicht zu denken.

„Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei eisige Bazi…“, lautet eine bairisch gereimte Bauernregel, deren Wahrheit sich während der vergangenen Maitage anschaulich entfaltete. So nasskalt und regnerisch war es, dass man sehr leicht dem verbreiteten Irrtum unterliegen konnte, wonach der liebevoll-despektierliche „Bàzi“ (à wie dt. ah in Bahn) vom breiig-schmierigen „Bàz“, also von einem durchweichten Erdboden, von Schlamm und Matsch abgeleitet sei.

Dem ist aber nicht so. Das wird auch daran ersichtlich, dass die Kalte Sophie („… und zum Schluss fehlt nie die Kalte Sophie!“), die den Eisheiligen folgt, Jahr für Jahr die Böden und die Beete gefrieren lässt, also das Gegenteil eines Bàzes produziert. Nein, der Bàzi, der gerissene Bursche, der Taugenichts und Schlingel hat seine Wurzeln im „Lumpazius“, der wiederum eine scherzhaft veraltende Bildung des „Lumpen“ ist. Diese Tatsache freilich hindert den Mundartsprecher nicht, die beiden Wörter in innige Beziehung zu setzen. Ein Satz wie „Schaug, dassd aus dem Bàz aussakimmst, Du oida Bàzi“ gehört zum Beispiel durchaus zum Sprachgebrauch, auch während die „Eismònner“ (ò wie dt. o in voll) noch ihr Unwesen treiben.

Derlei Spitzfindigkeiten sind allerdings das kleinste Problem, das die Bauern im Oberland derzeit haben. Nachdem Eisheilige und Kalte Sophie das Weite gesucht haben, wäre es eigentlich an der Zeit, mit der Grünlandbewirtschaftung zu beginnen. Auch dabei halten sich die Bauern an eine einfache Regel. Wenn der Löwenzahn verblüht, sollte man anfangen mit dem „häing“ (äi wie engl. ay in play). Angesichts des anhaltenden Regens ist dieser Tage allerdings nicht an den ersten Schnitt zu denken. Denn vor allem die steileren Wiesen sind ein einziger Bàz.


 


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