Kuhkomfort und Kuhverkehr

Oberbayerische Miniaturen, Teil 5

Von Tom Dauer

So wird der Kuhverkehr geregelt.

Der Ziagla-Hans will einen neuen Stall bauen. Er will das schon seit längerem. Aber übers Knie bricht er eine solche Entscheidung nicht.

Sicher ist nur: So wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen. Sein Pa, der Martl, hat den Ziagla-Stall einst gebaut. Das war vor 40 Jahren und es war noch nicht allzu lange her, da hatte er die Kühe noch mit der Hand gemolken – ohne einen Preis für das Fäusteln zu gewinnen.

Gebaut hat er schließlich einen Anbindestall samt Rohrmelkanlage. In den 1970er-Jahren war das eine echte Innovation. Sobald Heu, Grummet oder Silo auf dem Futtertisch liegt, schiebt man den Zentralgelenkhalsrahmen auf, die Kühe recken ihre Köpfe vor, das Gatter geht wieder zu und die Wiederkäuer stecken fest. Zum Fressen verdammt. Und ruhig gestellt zum Melken.

Das System aus Milch- und Vakuumleitungen funktioniert nach wie vor. Aber es darf gemäß einer EU-Verordnung ab 2013 nicht mehr in Biobetrieben eingesetzt werden, von denen der Ziagla einer ist. Zudem ist die Arbeit zwischen Mistrinne und Futtertisch sehr anstrengend. Leichter ginge es zum Beispiel mit einem Melkstand, in dem die Kühe einzeln vorstellig werden. Der Bauer muss dann nicht mehr mit seinem Melkzeug von Kuh zu Kuh laufen. Er bleibt in seiner Melkgrube stehen und das Rindvieh kommt zu ihm. Das spart Zeit und Geld. Manche sagen, noch mehr Zeit und Geld spare man sich mit einem Melkroboter. Aber da ist der Ziagla-Hans skeptisch.

Weil er aber keiner ist, der das Neue grundsätzlich ablehnt, schaute er sich am vergangenen Sonntag einen Melkroboter an, der laut Hersteller größtmöglichen Kuhkomfort und problemlosen Kuhverkehr garantiert. Die Kühe sollen sich in der Melkbox schließlich angenehm durchblutet fühlen und sie problemlos betreten und verlassen können. Der Rest geht automatisch. Aber das macht jede Menge computergestützter Technik erforderlich – und eine Investition von etwa 120.000 Euro.

Der Ziagla-Hans wird sich nicht nur aus diesem Grund gegen einen Melkroboter entscheiden. Wo so viel Technik im Spiel ist, sagt er, sei der Aufwand für Wartung und Kontrolle zu groß. Außerdem sei das System sehr anfällig. Im vergangenen Winter zum Beispiel legte der Frost die Melkroboter lahm.

Sein Hauptargument aber ist: Er sei mit ganzem Herzen ein Bauer. Und als solcher brauche er den Kontakt zu seinem Vieh. „Weil wenn du nur no die Maschin an deine Kiah lossd, dann woasst du nimma, wias eana wirkli gehd.“


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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