Tanz in Tränen

Niederdeutsche Nebengleise

Von Tom Schimmeck

Copyright: TS

Abschlussball

Die Abschlussbälle der hiesigen Tanzschule, die zum Ende eines jeden Kurses stattfinden, bieten stets ein recht exotisches Schauspiel. Teenies rascheln aufgeregt, Mütter frischen nochmal schnell den Lippenstift auf, Väter ruckeln am ungewohnten Krawattenknoten. Die Mädchen bekommen Blümchen, die Jungs eine Tüte Chips, zur Stärkung für die herannahende Pein. Ein Duft von Parfum, Schweiß und Hormonen hängt in der Luft. Schon ruft der Tanzlehrer die Schüler auf Parkett, ein Evergreen bricht aus den Boxen, hundert Beine mühen sich, der Schrittfolge zu gehorchen. Eltern blicken stolz auf den Nachwuchs, beäugen auch die anderen, so verändert wirkenden Jungwesen, suchen nach seit Kindergarten-Tagen vertrauten Gesichtern. Ein schöner Augenblick.

Der Ball findet im Schützensaal statt, die Deko ist eher spartanisch. An der Stirnseite hängen Tafeln mit den Namen der Schützenkönige seit 1838, an der Längsseite Fotos, die viele dieser Könige zeigen, stolz geschmückt in voller Uniform, der Aufgabe ernst entgegenblickend, starr. Während im Saal Jungen und Mädchen die noch fremden Gewänder neugierig ausprobieren, die Anzüge, die Kleider, die polierten Schuhe. Sie staken recht ungelenk. Wirken aber doch gleich älter. Es ist eine Zwischenbilanz. Ein Aufbruch.

Plötzlich Unruhe im hinteren Teil des Raumes. Bestürzte Gesichter. Die Stimmung schlägt um. Eine Nachricht schwirrt durch den Raum: Ein Junge, den viele der Jugendlichen gut kannten, ist heute gestorben; an Krebs. Der Tanzlehrer improvisiert eine Ansprache. Der Ball steht schweigend. Ganz allmählich füllt sich das Parkett wieder. Die Erregung ist der Traurigkeit gewichen. Teenager drehen sich, aneinander geschmiegt, im Takt. Manche weinen zu zweit.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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