Hinterkleinhausen

Groborientierung für meinen Minikosmos, Teil 3

Von Tom Schimmeck

von oben

Wir müssen endlich zu den Fakten kommen: Mein Dorf, nennen wir es fürderhin Hinterkleinhausen, besteht aus elf Häusern. Zumeist sind es "Hallenhäuser" – üppig proportionierte Fachwerkbauten aus dem frühen vorletzten Jahrhundert. Damals Heim für Mensch & Tier. Die Tiere hausten im Stallteil, hinter dem großen Scheunentor, das sich stets zur Dorfmitte öffnet. Dahinter kam die Feuerstelle, dann die Menschen. Über Mensch und Tier lagerten Stroh und Korn. Nein, nicht Schnaps. Getreide.

Hinterkleinhausen liegt, wie früher schon angedeutet, in der niederdeutschen Flachebene. Eine einspurige Straße strebt mitten hinein und, nach Umquerung der kreisrunden Dorfmitte, auch wieder hinaus. Das Zentrum – welch ein Wort an unserem Ort – wird von hohen Eichenbäumen beschattet. Jetzt, wo der Schnee weg ist, sieht man: Das verdammte Laub liegt immer noch vor der Tür. Aber ich muss ja die Kolumne schreiben. Himmel, schick wen mit 'ner Harke!

Wir zählen circa 15 Menschen hier. Hinzu kommen die unsteten Bewohner des ortsansässigen Jugendheimes, die unsere Einwohnerzahl auf etwa das Doppelte anschwellen lassen. Weiter leben in diesem Weiler, grob geschätzt und ohne jede Gewähr, etwa fünf Hunde, sechs Katzen, 15 Kühe, 20 Pferde sowie eine stark fluktuierende Zahl von Enten, Schweinen und Hühnern. Der Luftraum wird von allerlei Fluggetier unterschiedlicher Größe und Farbgebung beherrscht, das aber quantitativ schwer zu erfassen ist. Auffällig: Anders als in der Stadt sind die Tauben hier schön.


So, lieber Leser, jetzt siehst Du klar. Und wir können uns dem Wesentlichen widmen; Baumschnitt, Abfallbeseitigung, Internet-Anbindung und vor allem dem Zwischenmenschlichen: Liebe, Alkohol, Vergreisung. Bis bald.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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