Schneestille

Groborientierung für meinen Minikosmos, Teil 2

Von Tom Schimmeck

Schneestille

Da staunt der Hund

"Land-" taucht als Vorsilbe gern vor Begriffen auf, die als irgendwie ganz nett, aber letztlich doch schwer gestrig gelten. Landleben - niedlich, aber schratig; Landmann - wacker, aber vom Aussterben bedroht; Landwirtschaft - image-mäßig das Gegenteil von Nanotechnologie; Landbutter - wer mag schon Stadtbutter essen? Land ist da, wo "nix los" ist, wo man alles verpasst, wo sich Fuchs und Has' gute Nacht sagen und man nicht tot über'm Zaun hängen möchte. Nee, bloß nicht.

35 Lebensjahre genoss ich als bekennender, begeisterter Stadtmensch: Hamburg, Berlin, Wien, New York, Johannesburg, Hongkong – das waren für mich die Plätze, an denen das Leben pulsierte. Da war "was los". Dann zog ich auf's Land. Es gab ein paar sehr brauchbare Argumente für diesen Schritt: Kinder, Ruhe, bezahlbare Freiheit. Im Grunde aber wusste ich nicht warum. War es nicht eigentlich absurd? Ein Journalist am Arsch der Welt? In einem Kaff? Ich war fassungslos über mich selbst.

Heute weiß ich: Es war Sehnsucht. Der Mensch wird anders, wenn die Ablenkung schwindet. Denkt anders. Fühlt anders. Schläft anders. Nicht, dass buntes Rauschen nicht auch hier üppig verfügbar wäre: Dank vieler TV-Kanäle und des WWW. Zerstreuung satt. Nicht, dass sich nicht auch Landmenschen zu Tode stressen könnten mit diesem, jenem und allem. Doch wenn ich den Computer und den Fernseher und das Radio abschalte, dann höre ich meistens: Nichts. Gerade jetzt, wo draußen rundrum dieser riesige gleißend weiße Teppich liegt, wird es überdeutlich: Hier ist Ruhe. Der Hund guckt erstaunt in das weite Weiß, bellt und läuft los. Und schon ist's wieder still.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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