Schleimige Anhöhen

Alle Jahre wieder

Von Tom Schimmeck

Laub

Herbstliche Heimsuchung

Unsere norddeutsche Tiefebene wird ob ihrer Übersichtlichkeit gerühmt. Kein Berg verstellt den Blick, keine Steigung ermattet den wackeren Radler. Gewiss, auch hier gibt es hin und wieder leichte Schwankungen der Bodenhöhe, Hügel genannt. Zumeist aber liegt die Landschaft brettartig da, der Himmel spannt sich weit, der Horizont zieht einen schnurgeraden Strich. Kein Firlefanz, kein Barock, nur Nüchternheit. Deshalb konnte der Protestantismus hier Fuß fassen. Nur deshalb konnten Arno Schmidt, Günter Grass, Peter Rühmkorf, Uwe Johnson etc. so klare Sätze bilden. Sichtbehinderungen wie Mittelgebirge oder gar Alpen hätten solcherlei Stringenz verunmöglicht.

Einmal pro Jahr aber gerät unsere schlichte Topografie in Aufruhr. Plötzlich ringen auch wir mit Bergen. Weil all die majestätischen Eichen, die schönen Buchen, Birken, Erlen und Kastanienbäume all ihre verdammten Blätter abwerfen. Aus einer albernen evolutionären Laune heraus ist der Laubbaum so beschaffen. Eben noch lieblich grün und schattenspendend, entblättert er sich im Herbst jäh, verwandelt sein anmutig raschelndes Kleid in einen Schwall gelbbrauner Fetzen, die das ebenfalls jahreszeitlich bedingte sogenannte "Schietwetter" auf unseren mühsam geharkten Wegen und liebevoll vertikutierten Rasenflächen zu schleimigen, rutschigen Anhöhen auftürmt.

Obendrein wirft dieses einschneidende Naturereignis ein unschönes Licht auf den Zustand unserer Gemeinschaft. Unser kleines Dorf, rein verwaltungstechnisch gesehen längst nur noch ein Ortsteil, besteht aus zehn Häusern, dem Stil der Region folgend in einem Kreis angeordnet. Seit ca. 800 Jahren hat sich hier nichts Wesentliches ereignet. Außer, dass die Einwohner immer weiter verschratet und die Laubbäume, den Menschen an Zahl ohnehin überlegen, gewaltig weitergewachsen sind. Eine schwindende Gruppe Menschen sieht sich folglich mit einer ausufernden Menge gelbbraunen Schlamms konfrontiert. Und während etwa im Nachbardorf G. , das sich gern als starkes Wir präsentiert, die Beseitigung der Blätterberge gemeinsam angepackt und fröhlich erledigt wird, lugt bei uns jeder Einsiedler heimlich durch die Vorhangritze auf die Anhäufungen um zu prüfen, ob denn der Nachbar angesichts der herbstlichen Heimsuchung schon einen Finger gerührt hat. Dann sinkt er zurück in den Sessel und denkt, fast schon südländisch: Ach, mach' ich's morgen!


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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