Magda - Das Magazin der Autoren

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Der achte Kontinent

Ein Ozean und die Natur des Menschen

Von Andreas Weber

Dieser junge Albatros bekam von seinen Eltern buntes Allerlei zu fressen

„Was für ein Buch könnte ein Kaplan des Teufels über das plumpe, verschwenderische, stümperhaft niedrige und entsetzlich grausame Wirken der Natur schreiben?“ schrieb Darwin in einem Brief an Hooker. Gestern abend war das Kornfeld am Ende des Weges ein Meer aus Gold. Die Ähren, die im Gegenlicht die Farben von rot über gelb bis grün abstrahlen, jede Granne ein winziges Spektrum, eine Interpretation der sinkenden Sonne, die sie erst möglich macht (die Weise, wie gerade dieses Stück Erde die sinkende Sonne spürt). In der Ferne ruft der Kuckuck, die Nachtigall singt einen Meter entfernt von meinem Ohr aus dem abgeblühten Schlehenbusch.Vor dem Fenster die Glockenreihen der im letzten Herbst gesetzten Bluebells, die viel zu spät keimten und sich nun aus der ihnen ungewohnten Umgebung mühen. Ich habe versucht, ihnen den Weg ein wenig freizurupfen. Der Star kommt und geht am Kasten wie ein elastisches Metronom; sein Partner begleitet ihn dazu mit seinem unverständlichen Lied. Gestern las ich, dass sich der Kontinent aus Plastikmüll mitten im Pazifischen Ozean auf die doppelte Größe Deutschlands ausgeweitet habe. Dort speisen Albatrosse und Schildkröten von den am Dreck haftenden Tieren und gehen elend an Kunststoffresten zugrunde. Eine monströse Welt kann nur ein monströses Ende finden, ein groteskes, in seinem Unheil unvorstellbares Ende. „Reality in our century is not something to be faced.“ (Graham Greene.)


 


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