Magda - Das Magazin der Autoren

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No Green Deal

Wie wir die Wirklichkeit weiter verstolpern

Von Andreas Weber

Andreas Weber (cc, by-nc-sa)

auch ein neuer Deal

Gestern habe ich mir mit Max die Auszählung bei uns um die Ecke angeschaut, Demokratie life. War schön. Besonders fasziniert hat ihn ein ungültiger Wahlzettel, bei dem jede Partei und jeder Kandidat angekreuzt war und auf dem stand: „Eure leeren Wahlversprechen – mein voller Wahlzettel.“ Immerhin hat die Botschaft einen erreicht. Das weiche Licht, wir gehen von Raum zu Raum. Im einen herrscht eine entspannte Atmosphäre, die Wahlhelfer sind zu Witzen aufgelegt. Im anderen ist Krampf, der Wahlleiter im Stress. Das Licht draußen, wir trinken es wie Pfirsichmilch. Die neue Regierung wird das Steuersystem verbessern (endlich), die Bildung (endlich), die Effizienz. Sie wird auf die großtechnische Herstellung von Nahrung setzen, etwa indem man den Boden mit Gift von jedem Leben reinigt und dann Superpflanzen einsäht. Sie wird einerseits der Selbstorganisation des Lebens (als sozioökonomisches Gebilde) weniger Fesseln anlegen, andererseits diese Selbstorganisation, die der Grund auch funktionierender Märkte ist, in ein Effizienzdenken einspannen, das immer noch etwas vom Uhrwerk einer perfektionierbaren Schöpfung hat. Sie wird nicht den „Green New Deal“ beginnen, den Thomas Friedman als die conditio sine qua non staatlicher Existenz im Jahre 2050 erkennt. Sie wird nicht die Wende zur ökologischen Wirtschaft vollziehen, aber sie wird vielleicht die Voraussetzungen verbessern, dass die Wirtschaft diese Wende selbst vollzieht. Hätten die Grünen dieses Programm konsequent angeboten, sie lägen jetzt bei 20 Prozent.


 


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