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Sonne wird teurer

"Wettbewerbsfähig" heißt: den anderen aus der Tasche gezogen

Von Andreas Weber

(cc) A. Weber

Beobachter gehen davon aus, dass die künftige neue Regierung die Konditionen für Solaranlagen drastisch verschlechtern wird. Schon jetzt finden die meisten Unternehmer und viele Ökonomen, dass der Strom, den Photovoltaik-Elemente produzieren, drastisch übersubventioniert ist. Sie sprechen davon, dass die Ökostrombranche schneller wettbewerbsfähig werden müsse. Was meinen sie mit wettbewerbsfähig? Längst haben wir begriffen, dass die als „wettbewerbsfähig“ geltende fossile Wirtschaft ein gigantisches Zuschussprojekt ist. Die Billionen und Billionen etwa, die einmal für die Beseitigung von Klimaschäden fällig werden, sie sind alle Subventionen an die fossile Energieerzeugung. Aber nicht der Steuerzahler subventioniert sie, sondern wir alle, arm und reich, alt und jung – und besonders unsere Kinder, die kommenden, denn sie werden den größeren Teil der Last einer enger und dunkler gewordenen Erde tragen. Besonders die Natur: Unsere Zivilisation verlängert beständig ihren Kredit am Leben.

Es ist interessant, dass diese Diskussion – die über die Güter, die uns alle gehören, die aber in den Markt gar nicht einbezogen werden, weil Privatunternehmen sich ihrer stillschweigend bemächtigen – immer noch nicht wirklich begonnen hat. Dabei ist es diese Diskussion, welche das Thema der Verteilungsgerechtigkeit (Anliegen der Linken) und das Thema der Bewahrung der Biosphäre (Anliegen der Grünen) zusammenbindet, welche zeigt, dass in the long run diese beiden Aspekte zwei Seiten derselben Münze sind. Eine florierende Wirtschaft, die das BIP steigert, und „Wachstum“ bringt, ist bisher oft eine, die unsichtbare, nicht bepreiste Güter, die allen gehören, auch den Armen (Luft, Wasser, Ökosysteme, atmosphärische Resilienz, Schönheit) verbraucht, daraus ein Produkt macht, und dieses verkauft. Denken wir an die Shrimpsfarm, die aus hochdiversen Mangroven (Jahresabwurf pro Hektar unter Berücksichtigung aller „Dienstleistungen“ im obigen Sinne 2000 US-Dollar) mit Plastikfolien bekleidete Zuchtbecken für genau eine Art macht (200 USD). 

Wir müssen eine Debatte über die Gemeingüter führen, die „commons“, die Allmende. Wer das bereits hervorragend begonnen hat, ist Silke Helfrich in ihrem Blog, auf den ich hier sicher immer wieder querverweisen werde. Einen sehr wichtigen Schritt auf diesem Weg ist jetzt gerade die französische Regierung gegangen, die als erste das vergötterte Maß des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Zweifel stellen ließ, und das von den über jeden Zweifel erhabenen Ökonomen und Philosophen Amartya Sen und Joseph Stiglitz. Ihr Plädoyer für eine Berechnungsart des Gemeinwohls, des Glückes einer Nation, die sich nicht länger auf eine Summierung von Krankenhauskosten, Aufräumpreisen von Naturkatastrophen und Transferleistungen für Arbeitsunfähige bezieht, ist nicht ganz neu – Herman Daly hat so etwas schon vor 20 Jahren ausgearbeitet und vorgeschlagen. Aber es ist ein gutes Zeichen, das dieser Report nicht von einem Außenseiter geschrieben wird, sondern im Auftrag einer europäischen Regierung.

Es wäre schön, wenn die Debatte einer politischen Ökologie in Deutschland in der Lage wäre, nach Abwrackprämie und Opel-bleibt-um-jeden-Preis-und-baut-weiter-Autos-mit-Benzinmmotor-wie-letztes-Jahr-auch-schon-1969 zumindest solche ersten Hügel zu erklimmen. Es wäre noch nicht der Beginn einer Politik des Lebens, aber der erste Schritt darauf zu. Es wäre auch schön, wenn die in den Redaktionen versammelte gutbezahlte Intelligenz endlich einmal den Mut hätte, selbst die wichtigen Themen zu setzen. Es ist nämlich ihre Schuld, dass es im gerade vergangenen Wahlscharmützel nicht in einem Punkt um das ging, um das es gerade geht, überall auf der Welt und auch hier: um unseren Platz in einer belebten Wirklichkeit. 


 


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