Und wenn Sie sich auf den Knopf stellen!

Wie viel Qualität darf man erwarten?

Copyright: Michael Fielitz

Foto: Michael Fielitz


Neulich habe ich eine Wolljacke mit zwei dekorativen Knöpfen aus geflochtenem Leder gekauft. Beim Abendessen in einem Restaurant zog ich sie zum ersten Mal an. Im Laufe von Stunden löste sich erst der eine Knopf ab, dann der andere. Einfach so, beim Sitzen am Tisch. Daraufhin brachte ich die Jacke zurück. Kein Billig-Laden, sondern einer, der sich selbst als „hochwertiger Einzelhandel“ bezeichnet.

„Wir nähen Ihnen die Knöpfe gern wieder an“, sagt die Verkäuferin.

„Ich möchte die Jacke zurückgeben.“

„Das ist leider nicht möglich.“

„Ich möchte aber keine Jacke, bei der schon am ersten Tag die Knöpfe abfallen.“

Die Verkäuferin ruft die Abteilungsleiterin herbei.

Als ich ihr mein Anliegen schildere, winkt sie lässig ab.

„Aber das ist doch normal“, säuselt sie. „Die Knöpfe sind mit der Maschine angenäht. Deshalb fallen sie so schnell ab.“

Ich bin perplex. „Und das finden Sie normal?!“

Lächelnd hebt sie die Unterarme und zeigt auf die goldenen Zierknöpfe ihres dunkelblauen Blazers. „Sehen Sie, bei mir ist das genauso.“

Links fehlt ein Knopf, rechts sogar zwei.

„Das spricht aber nicht gerade für die Qualität Ihres Hauses“, wage ich einzuwenden.

Sie wird ärgerlich. „Das ist mit der Maschine genäht, das habe ich Ihnen doch schon gesagt.“

„Ja, und? Das ist doch keine Entschuldigung!“

Jetzt werde ich ärgerlich. „Und ich finde es auch nicht normal, dass von einem neugekauften Kleidungsstück gleich die Knöpfe abfallen. Zumal in Gesellschaft! Wie sieht denn das aus? Und wenn die Knöpfe unterwegs abgefallen wären, hätte ich auch noch neue kaufen müssen. “

Die Abteilungsleiterin schaltet auf stur. „Also, zurücknehmen kann ich die Jacke auf gar keinen Fall. Sie haben sie ja schon getragen.“

„Deswegen habe ich sie ja auch gekauft. Und, weil sie ihren Zweck nicht erfüllt hat, möchte ich jetzt mein Geld zurück. Vielleicht sprechen Sie mal mit Ihrem Lieferanten oder Einkäufer über die Qualität der Ware...“

Sie verdreht ungeduldig die Augen. „Aber das ist doch immer so: Wenn Sie etwas Neues kaufen, müssen Sie erstmal die Knöpfe nachnähen.“

„Ach ja? Ich komme doch nicht in Ihren Laden, um mich hinterher als fleißige Näherin zu betätigen. Also, wenn ich meine Arbeit so erledigen würde, wäre ich längst pleite! Stellen Sie sich vor, ich liefere meinem Auftraggeber einen Text, und der moniert: Die ersten beiden Absätze sind leider nicht zu gebrauchen. Dann sage ich: Ist doch normal. Die ersten beiden Absätze müssen Sie beim Kauf eines Textes grundsätzlich umschreiben.“

Die Abteilungsleiterin schnappt den Kassenzettel aus meiner Hand und gibt mir das Geld zurück.

 


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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