Big Spender

Mein Leben als Wohltäter

Immer auf der Lauer, der große Lecker.

Immer auf der Lauer, der große Lecker. Zeichnung: Max Milan Marsalek

Meine Leute machen mich stolz. Sie verwandeln mich, ob ich es will oder nicht, in einen Schirmherren, der Tausende Euro in die Rettung der Welt investiert. Ich lebe in einem Land der 82 Millionen Schirmherren, die unverzagt Rettungsschirme aufspannen, um Opel, den Wachtelkönig oder die Mopsfledermaus zu retten. Derzeit retten wir Griechenland, das Land, dem wir Errungenschaften wie die Demokratie, die höhere Mathematik oder die Philosophie und unsere abendländische Kultur verdanken. (Ein Schelm, der jetzt an Vicky Leandros denkt).

Wenn ich die Zahlen in den Zeitungen richtig addiert habe, zahlt jeder von uns demnächst viele hundert Euro, um Griechenland vor der Pleite zu retten, dazu einige hundert für Irland und Portugal. Auch Zypern wird bald ein paar hundert Euro von mir haben wollen, Italien und Spanien sicher auch, Geld, das ich gerade nicht flüssig habe, meine Leute auch nicht, aber sie können es sich ja leihen. Merkwürdigerweise haben meine Leute immer noch Kredit, die Griechen nicht. Meine Leute kriegen das Geld von den Banken, die sehr darunter leiden würden, wenn Griechenland pleite ginge, denn dann müssten sie so viel Geld abschreiben, dass sie selber in Schwierigkeiten kämen, vor allem die Banken, die dem deutschen Staat gehören, also mir und meinen Leuten, wie die Hypo-Real Estate in München. Wenn ich es richtig verstanden habe, dient also der Rettungsschirm für Griechenland der Rettung der Banken, die meinen Leuten in Berlin aber auch den Not leidenden Kommunen immer wieder Kredit geben, obwohl sie doch nur eine Sicherheit haben, mich, den Steuerzahler, den Schirmherren, der am Ende für alles gerade steht, ob er kann oder nicht. Ich gebe zu, das macht mich stolz, aber nicht glücklich.

 


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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