Politik wird hässlicher

Aber wir können verhindern, dass es dabei bleibt

Von Emanuel Eckardt

Copyright: Max Milan Marsalek

Immer nur lächeln (Zeichnung: Max Milan Marsalek)

Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg ist fotogen. Im Casting der attraktivsten Politiker hatte ihm das von seiner blendenden Performance verzauberte und umfragte Volk den ersten Platz in der Beliebtheitsskala eingeräumt. Nur wenige störten sich an seiner Pomade. Er sah einfach gut aus, im Anzug und in Splitterschutzweste. Nun hat er sich einstweilen in die Provinz zurückgezogen.

Auch Silvana Koch-Merin von der FDP ist attraktiv, verglichen mit Birgit Homburger oder Brigitte Leutheusser-Schnarrenberger eine Schönheit. Nun, wo beide, der Freiherr und die schöne Silvana wegen ihrer abgekupferten Doktorarbeiten von allen wichtigen Ämtern zurück getreten sind, fehlt ihren Parteien ein auch in Großaufnahmen belastbares Gesicht. Die CSU sieht mit einem Mal ganz alt aus, und die FDP müht sich auffallend um attraktiven Nachwuchs. Die schöne Katja Suding hat mit ihrem Lächeln die Partei gerade noch einmal vor dem Rausschmiss aus der Hamburger Bürgerschaft gerettet, aber seither ist es still um sie geworden, und die alten Säcke der Hamburger FDP zanken sich weiter im Grabenkrieg, weil sie nicht anderes können.

Wann werden es meine Leute endlich begreifen? Die Wähler wollen keinen Parteienstreit, aber auch nicht Kompetenz, Erfahrung und Integrität, sondern schöne Gesichter, eine attraktive Politik, Menschen, die im Fernsehen gut rüberkommen.

Das Parlament hat seine Rolle als Schauplatz politischer Meinungsbildung längst eingebüßt, die Kamera zeigt Bundestagsreden nur noch als Sekundenphänomen, ein Halbsatz genügt. Talkshows sind die Bühne der Politik. Dort zeigen die Parteien ihr Gesicht. Die SPD wäre dem Untergang geweiht, hätte sie nur Andrea Nahles zu bieten. Deshalb ruhen ihre Hoffnungen auf Manuela Schwesig. Die sieht zauberhaft aus, weiß trotzdem, wovon sie redet und hat auch keinen Doktortitel, den ihr die Plagiatsfahnder des Internettribunals madig machen könnten. Der charmante Dr. Phillipp Rösler und sein alerter Nachfolger Daniel Bahr von der FDP sind sicher eine gute Wahl. Bleibt noch die Idealbesetzung für das Amt des Außenministers zu finden. Eigentlich wäre es einmal Zeit für eine Frau; warum nicht für eine Quereinsteigerin, die internationale Sympathien genießt: Lena Meyer-Landrut (parteilos). Sie hat keinen Doktortitel, aber Abitur. Eigentlich kann sie auch nicht singen. Aber das verlangt auch niemand von ihr. Sie hat ein unkompliziertes, freundliches Wesen, geht auf die Menschen zu. Und sie hat gelernt, Deutschland im Ausland zu vertreten.
 

 


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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