Geldhandelskrieg?

Man sollte hellhörig werden, wenn Bundesregierung und Wirtschaftsmedien gleichermaßen ‚antiamerikanische’ Töne anschlagen.

Von Wolfgang Michal

Über die Entscheidung der US-Notenbank, weitere 600 Milliarden Dollar in den Geldkreislauf zu pumpen, heißt es in vielen deutschen Medien: Damit wolle die FED die amerikanische Konjunktur ankurbeln. Gleichzeitig wird ätzende Kritik an dieser Maßnahme geübt. Und die schwarz-gelbe Bundesregierung führt die Phalanx der FED-Kritiker an.

Die US-Unternehmen, heißt es, schwämmen doch bereits jetzt im Geld. Sie könnten mit den billigen Dollars nichts anfangen, weil ihre Produkte (Ausnahme IT) nicht konkurrenzfähig seien, und die Kaufkraft im eigenen Land nicht zu- sondern abnehme. Die brachiale Geldvermehrung diene also einem rein destruktiven Zweck.

Ziel der FED sei es, durch Schwächung des Dollars die Währungen der konkurrierenden Länder aufzuwerten und deren Exporte einzudämmen. Die Maßnahme der FED sei in Wahrheit eine (Handels-)Kriegserklärung. Die erforderlichen Gegenmaßnahmen könnten den Welthandel schwer beschädigen. Denn die von der FED-Entscheidung betroffenen Länder würden ihre Märkte nun ebenfalls mit frischem Geld fluten (siehe Japan), um der „feindlichen Aufwertung“ der eigenen Währung zu entkommen und die heimische Exportwirtschaft zu schützen. Ergänzend (oder alternativ) würden die angegriffenen Länder ihre Märkte abschotten - mit Strafzöllen und allerlei absurden Handelsbeschränkungen (siehe China). „Beggar my neighbour“ entwickle sich zur gefährlichen Leitlinie nationaler Wirtschaftspolitik.

Und das billige Geld? Es vagabundiere jetzt spekulativ durch die Börsen und blase die Rohstoffmärkte auf. Es treibe die Kurse und Preise von Metallen, Rohöl und Weizen. Zwei Jahre nach der Finanzkrise platzten die Börsen von New York, Chicago und London schon wieder vor Selbstbewusstsein. Gordon Gecko sei tatsächlich zurück.

Stimmt das?

Oder ist es nicht vielleicht eher so: Mit der gezielten Dollarschwächung zwingt die FED die extrem exportorientierten Länder zu einem ungewollten wirtschaftspolitischen Kurswechsel: Deutschland, Japan, China, Brasilien und andere Staaten werden genötigt, sich stärker um die Entwicklung ihrer vernachlässigten Binnenmärkte zu kümmern, sprich: die Kaufkraft der Massen zu fördern.

Vielleicht ist ja nicht Gordon Gecko zurück, sondern John Maynard Keynes. 

 

Siehe auch den interessanten Beitrag von Frank Lübberding über die Dollar-Außenpolitik der FED - und weitere Wirtschaftsthemen bei Magda.


 


Mit ... teilen: 



Artikel empfehlen
Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


NEU

Streit
15.10.2012

Süsssauer
26.06.2013

Abwesenheitsnotiz
24.12.2011

Kopkas Tagebuch
11.01.2012

Wiese und Weltall
25.02.2013

Bel Etage
03.08.2012

KrossMedia
12.02.2013