"Chartern Sie ein Schiff nach Gaza!"

Ein offener Brief an Daniel Barenboim

Sehr geehrter Daniel Barenboim!

Mit großer Bewegung habe ich das Interview gelesen, dass Sie der "Zeit" (vom 10. Juni) gegeben haben: "Wo ist die jüdische Intelligenz?", fragen Sie mit Blick auf die Kanonenboot-Aktionen Israels vor Gazas Küste. Und Sie halten fest an Ihrem Traum, im Gaza-Streifen zu konzertieren, mit dem West-Eastern Divan Orchestra oder mit anderen Virtuosen.

Aber Israel lasse Sie nicht, sagen Sie. Dem ist wohl so. Und...?

In aller Bescheidenheit: Gestatten Sie einen Vorschlag, eine Idee, die sicherlich noch etwas roh ist, aber nicht so roh wie die politischen Sitten in West und Ost.

Sie – und Sponsoren, die es geben wird – chartern ein Schiff und laden hervorragende Musiker ein. Das Schiff legt in Zypern ab und nimmt Kurs auf Gaza; an Bord werden Partituren ausgegeben, es wird geübt, denn in Gaza soll ein denkwürdiges Friedenskonzert stattfinden.

Es versteht sich, dass Presse an Bord ist, die gegebenenfalls darüber berichten wird, wie israelische Marinesoldaten prüfen, ob in Geigenkästen Maschinengewehre versteckt sind oder ob sich Metronome zu Teufelsmaschinen umbauen lassen.

Wenn Israel Sie und die Friedensmusiker nicht von Bord lässt – und diese Un-Intelligenz ist wohl vorstellbar – spielen Sie ein Welt-Friedenskonzert am Rande der Dreimeilenzone. Auf See. Ich denke mit den Übertragungsrechten dieses Konzertes, ließe sich sogar gutes Geld einsammeln, etwa für den Wiederaufbau einer Kinderklinik in Gaza-Stadt. Oder für den Aufbau einer Musikschule für begabte junge Israeli und Palästinenser.

Ist das eine verrückte Idee?

Ich denke, die Zeiten und Zustände sind so ver-rückt, dass wir alle Phantasie zusammennehmen sollten und ... wagen.

Herzliche Grüße,
Claus-Peter Lieckfeld


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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