Schwarz-grün fließt der Rhein

Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen könnte die Republik verändern (1)

Von Wolfgang Michal

Dass er nur sechs Monate nach seinem größten Triumph so gnadenlos heruntergeschrieben würde von den deutschen Leitmedien, das hätte sich Guido Westerwelle sicher nicht träumen lassen. Aber - könnte man lächelnd hinzufügen: Es ist ja für einen guten Zweck. In Nordrhein-Westfalen soll am 9. Mai (endlich wieder - wie 1966!) Geschichte geschrieben werden.

Schwarz-grün am Rhein würde eine Wende im Bund einleiten, und den Grünen – als den künftigen Koalitionspartnern der CDU - den endgültigen Durchbruch als Königsmacher verschaffen. Was für eine Ironie: Der Rheinische Kapitalismus käme durch die Hintertür zurück (mit einer ostdeutschen Kanzlerin an der Spitze). Und die FDP (als die düsseldorferischste deutsche Partei) müsste ausgerechnet in Düsseldorf ihre traditionelle Rolle als Mehrheitsbeschaffer an den grünen Widersacher abtreten. So viel Absturz war nie!

Ich glaube, die deutschen Journalisten haben richtig Lust auf dieses Experiment. Sie wollen sehen, ob die CDU mit einem kompetenten Koalitionspartner an der Seite wieder zu einer inhaltlich konzisen, christdemokratischen Linie findet. Die grüne Partei, die längst auch die Herzen der deutschen Leistungsträger erobert hat, soll die CDU inspirieren, beatmen, düngen und pampern. 

Für diese Dienstleistung wäre die Merkel-CDU sogar bereit, in der Energie- und Verkehrspolitik, in der Familien- und Gesellschaftspolitik, in der Forschungs- und Bildungspolitik Zugeständnisse zu machen. Die CDU würde ihre Bastionen Gymnasium, Atomkraftwerk, Kleinfamilie und Autobahn nicht mehr ganz so rückhaltlos verteidigen und weiter in die Mitte rücken. Und die sich bedroht fühlenden, aggressiven Teile des Bürgertums (die sich am ehesten von Christoph Blocher, Anders Fogh Rasmussen, Silvio Berlusconi, Vaclav Klaus, Lech Kaczynski, Sarah Palin oder Geert Wilders vertreten fühlen), müssten sich rechts von der CDU eine neue Heimat suchen.

Galionsfiguren für einen solchen Populismus sind in Deutschland (noch) nicht in Sicht. Aber Guido Westerwelle hätte das Zeug, uns nach der nächsten Bundestagswahl den Geert Wilders in spätrheinischer Version zu geben. 


 


Mit ... teilen: 



Artikel empfehlen
Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


NEU

Streit
18.04.2012

Leidenschaften
17.06.2012

Abwesenheitsnotiz
18.11.2011

Kopkas Tagebuch
19.12.2011

Wiese und Weltall
17.12.2012

Bel Etage
11.06.2012

KrossMedia
12.03.2012