BrückenPechnologie

AKWs seien Brückentechnologie, heißt es. Brücken wohin?

Von Claus-Peter Lieckfeld

Bei "Brückentechnologie" – einem der schönsten Euphemismen der Bundespolitik, seit es sie gibt – fällt mir ein nicht minder schönes deutsches Lied ein:

Über sieben Brücken musst du gehen, sieben dunkle Jahre überstehn…

Stimmt, es sind sieben AKWs, deren Laufzeiten verlängert werden sollen: Brunsbüttel, Isar 1, Philippsburg 1, Krümmel, Neckarwestheim, Unterweser und Biblis. Wenn man Biblis 1 und 2 zählt, wären es sogar acht.

Aber es sind Gott sei Dank nicht mehr sieben Jahre bis zur nächsten Bundestagswahl zu überstehn. Überstehen müssen wir die Zeit bis dahin aber in jedem Fall. Das kann hart werden. Eine Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) legt den Schluss nahe, dass dreißig Jahre alte Reaktoren keinesfalls sicher sind. „Noch weitgehend unerforscht und schwer beherrschbar (sind) die Risiken durch Alterungsprozesse. Zum Teil (werden) Mängel wie Risse, Materialermüdungen oder Veränderungen elektrischer und anderer physikalischer Eigenschaften schon seit längerem … rein zufällig entdeckt“. Brückentechnologie also. Ich glaube, ich möchte lieber nicht über so eine Brücke gehen, und schon gar nicht über sieben.

Aber was soll da eigentlich überbrückt werden? Die Lücke zwischen konventioneller und künftiger alternativer Stromerzeugung, wie unsere Bundeskanzlerin – unter Helmut Kohl von 1994 bis 1998 Ministerin für Reaktorsicherheit – sagt? Bisher hat kein Regierungsmitglied die Stromlücke (also das, was es zu überbrücken gilt) nachvollziebar aufzeigen können. Geschweige denn vorgerechnet.

Nein, es muss um eine andere Lücke gehen. Ich vermute, die Großversorger möchten die Zeit überbrücken, die sie brauchen, um auch die neuen Stromquellen in die Hand zu bekommen und zu monopolisieren; als tools einer Zeitüberbrückungsstrategie taugen ihnen offenbar Anlagen mit gestrigem und von der Zeit angenagtem Sicherheitsstandard.

Dass gleichzeitig die Förderung der alternativen Branche zum jetzigen Zeitpunkt gebremst wird (die FDP spricht von Über-Förderung der Solarbranche), ist aus Sicht der Kernkraftlobby und ihrer Abgeordneten in Union und FDP nachvollziehbar. Denn die vielen dezentralen Stromquellen sind mit der Kernenergie inkompatibel. Ein Kernkraftwerk muss immer möglichst gleichmäßig Last fahren, kann sich nur schwer oder gar nicht auf die Zusammenarbeit mit Stromlieferanten wie Sonne und Wind einstellen – nicht zuletzt weil deren Liefermengen naturgemäß schwanken. Damit aber die strahlenden Brücken noch weit und lukrativ in die Zukunft ragen, bremsen die Berliner Abgeordneten der Kernlobby - nebst CDU-Landesfürsten – die Zukunftstechnologien ein wenig an. Wenn man so richtig stramm pro Kernkraft und pro Großversorger ist, dann ist das alles nur konsequent.

Umweltminister Norbert Röttgen, CDU (wenigstens „einmal auch der he-helle Schein“), sagte, der Ausstieg aus der Kernernergie müsse auf der Tagesordnung bleiben. Der grünschwarze Norbert wird unter die Wölfe fallen. Unter die mit den schwarzen und unter die mit den gelben Zähnen. Das finde ich schade.

 


 

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Christian Kaiser

http://www.kaiser-photography.de

Montag, 15-02-10 10:35

Lob dem Brückenlied, dem schaurig schönen

 
 

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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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