Ein Aigner Weg zum Klimaschutz

CO2-Lasten? Nimm's leicht!

Von Claus-Peter Lieckfeld

Am Tag nachdem der Klimagipfel von Kopenhagen zu Tal rutschte und alle Hoffnung auf Rettung vorerst begrub, wettete ich (mit mir), dass es nur zwei Monate dauern würde, bis unsere Spitzenpolitiker ihre Klimaschwüre und –bekenntnisse kassieren und wieder zu den Prioritäten zurückkehren würden, die sich für sie auszahlen: Klientelpolitik vor allem.

Ich habe mich verwettet, es ging schneller. Am 11.1. – also knapp einen Monat nach Kopenhagen – sagte die CSU-Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner im "Spiegel" (2/2010, Seite 17) auf die Frage, ob denn das Viertel Treibhaus-Gesamtemissionen, das global von der Landwirtschaft verursacht wird, nicht doch ein Einsparungspotential sei: „Wenn alle Menschen genug zu essen haben sollen, dann müssen wir auch die entsprechenden Treibhausgase in Kauf nehmen“; denn schließlich müsse bis 2050 die Nahrungsmittelproduktion um 70% gesteigert werden.

Die Aignersche Fatalität – mehr Treibhausgas als Unkostenfaktor der Welternährung - impliziert, dass das Agrobusiness weitermachen darf wie bisher: Mastfutter aus der Dritten Welt wird weiter zu Niedrigpreisen und CO2-Höchstwerten importiert, während die Selbstversorgerlandwirtschaft in armen Ländern weiter ruiniert wird. Der Weltagrarbericht der UN aus dem Jahr 2009 legt indessen dar, wie sich die Welt künftig ernähren lässt: nur wenn nachhaltige, kleinräumige, eigeninitiative Landwirtschaft – transglobal! -  erhalten bleibt und wieder an Boden gewinnt. Ob Ilse Aigner das weiß? Sie fordert,  „bitte die Kirche im Dorf zu lassen“. Womit sie wohl meint, dem Agrobusiness nicht weiter seine weltfressenden CO2-Emissionen um die Ohren zu hauen. Stattdessen business as usual. Mit Betonung auf Business.

Ich wette einfach noch mal (mit mir selbst) und bitte meine Töchter, in dreißig Jahren zu überprüfen, ob ich gewonnen habe: Wenn die Geschichte des  Klimawandels und seiner Folgen geschrieben wird, dann wird allenthalben das Aigner-Zitat von 2010 als Kurz-Charakteristik der damaligen zeitgenössischen Verblendung zitiert werden: „Wenn alle Menschen genug zu essen haben sollen, dann müssen wir auch die entsprechenden Treibhausgase in Kauf nehmen“

Frau Aigner wird man dann nicht mehr kennen, aber angesichts ehemaliger Landwirtschaftsflächen, die der Klimawandel verödet hat, wird  ihr Satz vielfach zitiert werden. Immer dann, wenn Historiker oder Journalisten zu erklären versuchen, warum nicht beizeiten gehandelt wurde.

 


 


Mit ... teilen: 



Artikel empfehlen
Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


NEU

Streit
08.03.2012

Abseits
04.06.2012

Die Reportage
14.11.2011

Kopkas Tagebuch
12.12.2011

Lieckfelds Tierleben
26.11.2012

Bel Etage
30.04.2012

Weltiswortwechsel
11.03.2012