Du Olli, erzähl mal von früher

Dann lieber Loddar und der eilige Krieg


Jeden blöden Sender kriege ich bei mir rein, sogar Bibel TV. Aber bei Al Jazeera streikt meine Kiste. Schade. Denn so bleibt mir während der WM entsagt, Lothar Matthäus in eben jenem Fernsehsender zu bewundern. Wäre mal gespannt, wie sein Arabisch ist, sein, na ja, Englisch klingt uns ja noch im Ohr. „I hope we have a little bit lucky“, entfuhr es ihm während einer Pressekonferenz vor zwei Jahren. Außerdem bin ich mir sicher, dass Loddar als Spion eingeschleust wurde. Als ehemaliger Trainer des israelischen Fußballklubs Maccabi Netanya soll das fränkische Plappermaul bestimmt für den Mossad vor 180 Millionen Zuschauern den eiligen Krieg unterwandern.

Dafür ist der Empfang bei Mehmet Scholl sehr gut; ist ja auch ARD, doch trotz Reinhold Beckmann an seiner Seite lässt er sich wunderbar ertragen. Er erklärt uns, warum Torschüsse daneben gehen, warum Torschüsse Tore sind, wann Abseits und wann kein Abseits ist. Ich finde, mehr fachliche Kompetenz kann man von einem gewesenen Fußballspieler nicht erwarten.

Nur bei Herrn Kahn ist das anders. Er will uns zwar auch alles erklären, doch er macht es mit einer Begeisterung, mit der er auch ein Autohaus in München-Neuperlach eröffnen könnte. Dass dabei ständig Frau Müller-Hohenstein vom ZDF neben ihm steht und ihn anlächelt wie eine total verknallte Hauswirtschaftsschülerin, macht die Sache nicht eben leichter. Spiegel Online nennt sie die Königin der salbungsvoll vorgetragenen Nichtigkeit. „Olli, erzähl mal von früher“, sagt sie gern; und Olli erzählt Dinge von früher, die so aufregend wie ein leere Sporttasche sind. Manchmal versucht er, den Netzer zu machen, was bereits daran scheitert, dass er nicht Sätze wie „In der Tat, das ist zu loben!“ beherrscht.

Stattdessen langweilt er uns mit Geschichten, die sich platter als ein Ball auf dem Nagelbrett präsentieren. „Lässt du dir mal einen Bart stehen, Olli?“ fragte Klein-Katrin. „Nee, jede Sendung wird rasiert“, sagte Olli. Was natürlich jeder wissen will. Und, wie heiter: Zum Geburtstag bekam er von seiner weitaus schlechteren Hälfte vor laufender Kamera diese Blödtröte Vuvuzela geschenkt, was an Orginalität eigentlich nicht zu überbieten ist. Er blies uns einen, aber es klang wie bei seinen Kommentaren: nach ganz viel heißer Luft.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.



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