Keintorhasen
Spielerfrauen oder die hohe Kunst der Manndeckung
Am letzten Freitag ging ich nach dem Spiel gegen Serbien einkaufen. Selbst im Laden weinten die Gesichter, das Schwarzrotgold verlief sich auf den Backen und die durstige Trauergemeinde holte Nachschub in der Getränkeabteilung, um sich ihren Ärger herunterzuspülen. Am Zeitschriftenstand entdeckte ich eine Schlagzeile im Kicker, die plötzlich sehr heiter klang: „Wir haben vor keinem Angst!“ stand über einem Bild, auf dem Lukas Podolski mit stolzer Brust bis zur Kasse blickte. Er sah rotzfrech darauf aus und nicht so bedröppelt wie nach seinem gerade verschossenen Elfmeter auf der Großleinwand.
Beim Warten in der Schlange kamen wir Bundestrainer sofort ins Gespräch. Der Poldi, lallte einer, hat sich einfach zu viele Gedanken gemacht. Auf meinen freundlichen Hinweis, dass bei Podolski die Gefahr des Sichzuvielgedankenmachens eher nicht besteht, gab es nur ungläubiges Glotzen. Einer machte seine Flasche Bier bereits vor dem Bezahlen auf. Dann einigten wir uns darauf, Ghana nächste Woche wegzuputzen, weil eine Niederlage gegen diese Mannschaft im Regelwerk nicht vorgesehen ist. Beim Rausgehen schlug ein heiserer Witzbold vor, unsere dunkelhäutigen Bankdrücker Aogo, Boateng und Cacau aufzustellen, damit die Ghanaer öfter falsch abspielen. Ich glaube, den Kalauer hatte er irgendwo geklaut.
Als ich herauskam, hatte ich ein Klatschblatt in der Einkaufstüte; ich weiß auch nicht, wie es da hinein gelangte. Aber ich war mir sicher, dass die nette Gazette mich über die sportlich langweiligste Vorrunde trösten konnte, die ich bisher gesehen hatte. Erst stand da was von der Hochzeit in Schweden und eine ernsthafte Erörterung darüber, mit welcher Schleppe Prinz Daniel seine süße Victoria vor den Altar schleppen sollte. Und dann, nur eine Seite weiter, lächelten mich ein paar Spielerfrauen an. Ich liebe Spielerfrauen. Sie sind so rein, so hübsch, so blond, so nagellackgeleckt, dass mir jedes Mal das Herz aufgeht und noch viel mehr. Alles Dummchen? Irgendwas zwischen Opel Manta und goldener Käfighaltung?
Ach was, ich finde, bei ihnen ist die Welt noch in Ordnung, sie wirken so wunderbar engelsgleich auf der Tribüne; als würden sie nur darauf warten, dass ihr Schatz da unten bald fertig ist, damit sie ihm endlich die Pantoffeln unterschieben dürfen auf der Ledercouch im Eigenheim. Jeder Mann sollte eine Spielerfrau haben!
Meine erste Spielerfrau lief mir im Sportressort des Stern übern Weg. Die war blond, dass es schon weh tat, und richtig hart drauf. Sie kassierte damals für die hundert Zeilen einer Kolumne ihres Mannes soviel wie ich im halben Jahr verdiente. Umschreiben durfte ich es auch noch. Gaby Schuster hieß sie und hatte ihren Bernd ziemlich gut im Griff. Vor dreißig Jahren sorgte sie dafür, dass ihr Göttergatte von Köln nach Barcelona wechselte und dort ein sensationelles Gehalt kassierte; 1993 brachte sie Reiner Calmund, den Manager von Bayer Leverkusen, beim Feilschen ums Gehalt an den Rand der Verzweiflung. Was gar nicht so einfach ist bei ihm. Selbst der Kaiser Franz scheiterte an ihrer Habgier, als er Bernd Schuster zur WM 1986 zu einem Comeback bewegen wollte. Sie soll für seine Teilnahme eine Million Mark gefordert haben. Man lehnte dankend ab. Gaby Schuster erfand die Spielerfrau. So eine wie sie gibt es nie wieder.
Und heute? Ist doch klar, sie haben ihre Kerle auch nur wegen der Kohle. Besser hätten sie es ja nicht treffen können, wenn man Kosmetikerin oder Zahnarzthelferin gelernt und nebenbei vielleicht ein bisschen gemodelt hat. Sie besitzen mindestens eine Handtasche von Louis Vuitton, haben ein Cabrio in der gepflasterten Einfahrt stehen und werden gern mal durchgereicht: Mit Wanderpokalen kennen sich ihre Männer schließlich aus. Frau Effenberg war früher Frau Strunz, Barfrau Verena Kerth veranlasste Olli Kahn zum Bettenwechsel, bevor sie ihre so genannte Fernsehkarriere begann und mittlerweile an der Seite des Ex- Gspusi von der Ferres über die roten Teppiche stöckelt; und die frühere Freundin von Marcell Jansen bekommt ein Baby von Christoph Metzelder, was mich nicht besonders wundert, weil die schöne Julia am Scharmützelsee wohnt.
Oh, Fußball, deine Luder! Paris Hilton soll angeblich bei Cristiano Ronaldo unterhalb der Gürtellinie eingedrungen sein. Als Stümerstar Francesco Totti eine Dame namens Ilary Blasi ehelichte, stand in Rom der ganze, na ja, fast der ganze Verkehr still; man sollte noch hinzufügen, dass Señora Blasi bis dahin damit beschäftigt war, in einer Show Buchstaben umzudrehen und sich in Männermagazinen ihres Leibchens zu entledigen. Und was David Beckham und seine Victoria angeht. Keine Liebe auf den ersten Blick! Soviel steht fest, weil sie, damals noch als Posh Spice, nach einem Spiel von Manchester gegen Chelsea fragte: "Hast du da eben auch mitgespielt?" David nickte. Sie hatte ihre Brille vergessen.
Und so bitter das Schicksal Sylvie van der Vaart mitspielte, der hübschen holländischen Gattin eines bei Real Madrid eher mittelmäßigen Spielers: Musste sie sich unbedingt in großen Titelgeschichten darüber auslassen, wie sehr sie nach der Chemotherapie gegen den hoffentlich besiegten Brustkrebs ihrer Lockenpracht nachtrauert? Das sollte sie mal den vielen glatzköpfigen Kindern erzählen, die täglich mutig um ihr Leben kämpfen und dabei nicht selten verlieren. Wer seine Tür hoch macht, ringet nach Unglück. Steht in der Bibel über das Böse der Eitelkeit, bestimmt auch in Holland.
Da läuft das mit unseren Spielerfrauen zur Zeit ein wenig anders. Steht so im Klatschblatt, das zufällig in meiner Tasche landete. Viele von ihnen wollen sich zum Achtelfinale im Sheraton-Hotel in Pretoria treffen, und da fängt das Problem für sie auch schon an: Die einzigen, die im Achtelfinale noch deutsch reden, könnten bald die Schweizer sein. Was die Schweizer eben so deutsch nennen. Unsere Mannschaft hat bereits Rückflüge für den Tag nach dem Spiel gegen Ghana gebucht, das nenne ich doch mal Glauben an die eigene Stärke. Also kommen die Spielerfrauen? Oder kommen sie nicht? Eine ist sowieso seit dem Spiel gegen Australien da: Anna Maria Lagerblom, die sieben Jahre ältere Freundin von Mesut Özil und Schwester von Sängerin Sarah Connor, die wo mit dem früheren Bremenbrasilianer Diego noch außerhalb des Stadions trainiert haben soll.
Ganz ehrlich, in der Haut unserer Spielerfrauen möchte ich jetzt nicht stecken. Begegnen sie ihren Männern am Ende mit dem Flugzeug über Nordafrika? Die einen rauf, die anderen runter? Aber sie werden eine kluge Entscheidung treffen, weil sie klug sind. Die meisten wenigstens. Von wegen Maniküre, Handtasche, Cabrio - oder: Ich Mann, du Spielerfrau! Die Freundin von Tim Wiese heißt Grit Freiberg und will Kinderpsychologin werden, sie beklagte sogar öffentlich, dass ihr Mann zu viel Geld verdienen würde. So sieht´s aus bei uns. Vergessen Sie gefälligst, was da oben steht. Kein Opel Manta in der Garage. Aber manche hätten vielleicht nichts dagegen.
Am Samstag guckte ich doch noch bei Königs rein. War viel aufregender als Kamerun gegen Dänemark.



