Heißes Probetraining

Wenn Schwitzen sich lohnt

Der ganze Raum war unerträglich heiß, Athen im Hochsommer war nichts dagegen. Mir lief schon der Schweiß, bevor ich überhaupt umgezogen war. Ich ließ mich auf den Barhocker an der Anmeldung sacken. „Na, zum Probetraining hier?“ Die Empfangsdame plinkerte mich unter einer beachtlichen Menge künstlicher Wimpern an. Hektisch grapschte sie mir den Personalausweis aus der Hand, den ich ihr hingehalten hatte wie einem Pferd ein altes Stück Brot. „Besser du fängst gleich an“, sagte sie träge. „Um zwölf kommen die ganzen Bürohengste. Zuviel Testosteron.“ Sie fächelte sich mit der Hand Luft zu.

 Das mechanische Schnarren der Maschinen wirkte ungefähr so einladend wie ein Fernsehabend mit Florian Silbereisen. Aber wenn ich jetzt nicht aufpasste, konnte ich mit meinen Schenkeln in ein paar Jahren Applaus klatschen wie die Schlarmann aus dem Controlling. Da hörte man schon von weitem, wenn sie ankam. Schalock, schalock. Ich schwang mich also auf eines dieser Geräte, die einen an einen Besuch beim Gynäkologen erinnern. Mir gegenüber stand ein Maschinchen, an dem man Klimmzüge machen konnte. Daran hing ein junger Typ mit frischen, festen Backen, in jeder Hinsicht. Ich betrachtete ihn interessiert, während ich meine Übungen machte, Schenkel auf, Schenkel zu. Eine langsame Rötung kroch seine Kehle hinauf. Schenkel auf. Die Rötung erreichte seine Wangen. Schenkel zu. Unter den Augen blieb ein bleicher Schimmer. Er ließ ächzend von dem Gerät ab und ging zu den Hantelbänken. Der Schweiß auf seinen Oberarmen tropfte in kurzen Abständen zu Boden.

 Meine Finger berührten ihn wie zufällig. „Du hast einen schönen Körper“, sagte ich. Dann ging ich langsam Richtung Dampfbad. Er folgte mir mit den schweren, lauernden Bewegungen einer Raubkatze. Seine Passivität erregte mich. Ich strich übers eine Lenden, die sich kühl anfühlten. Ich öffnete die Beine, damit er mich streicheln konnte und beobachtete, wie er sich langsam aufrichtete. Er hatte vorsichtig tastende Hände, als hätte er noch nie eine Frau berührt. Als ich mich auf ihn legte, entwich ihm ein Laut der Überraschung.

 Als ich ging, fragte ich nicht nach seinem Namen. „Ich hoffe, es hat Dir bei uns gefallen“, rief mir die Empfangsdame noch zu. Ich war mir nicht sicher.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.



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