Stattdessen multiple Drinks

Menschen an der Bar (Teil 1)

Es war einer dieser Tage, an denen ich wieder mal die goldene Regel aller Singles missachtet hatte: „Beiß nicht die Hand, die dir multiple Orgasmen schenkt“. Ich hatte meinen Notfall-Mann Albert versetzt, um mich mit meinem Kollegen Titus auf einen Drink zu treffen. Ich konnte nur hoffen, dass Albert seinen Anrufbeantworter rechtzeitig abhörte. Ich wollte ihn auf keinen Fall kränken. Dafür war er einfach zu gut.

Und jetzt das.

Der Abendverkehr hatte längst merklich nachgelassen. Und ich wartete immer noch. In den Glasscheiben spiegelten sich die bunten Lichter der vorbeifahrenden Wagen. Die Autos fuhren langsamer, als hätte es plötzlich niemand mehr eilig, nach Hause zu kommen. Kein Wunder. Vor den meisten lag ein Abend mit beschissenem Fernsehprogramm, dem Geschrei ihrer verzogenen Gören und dem Geplapper ihrer dummen Partner.

Über der Tür war eine altmodische Uhr angebracht. Auf dem vergilbten Ziffernblatt schleppte sich der Stundenzeiger zitternd zum X. Titus war eine halbe Stunde zu spät. Ich starrte zur Tür. Ich wartete darauf, dass sie sich öffnen würde. Das Starren half nichts. Die Tür bewegte sich kein Stück.

Ich rührte in meinem Singapore Sling und versuchte auszusehen, als hätte ich sowieso vorgehabt, alleine zu trinken. Wäre ich zu Albert gegangen, hätte der mir längst zwei Freudenschreie auf Eis serviert. Ich hielt dem Barkeeper das leere Glas hin. „Krieg ich noch so einen?“

Ich sah mich um, aber da war niemand, der einen längeren Aufenthalt wert gewesen wäre. Die Suche nach meinem täglichen Orgasmus würde wahrscheinlich wieder mal in der Schublade des Nachttisches enden.

Mein Blick streifte den Mann auf dem Barhocker neben mir. Er war in billiges Leder gekleidet und roch nach Tod. Zu seinem Outfit hätte prima ein T-Shirt mit der Aufschrift gepasst: „Das Elend hat viele Gesichter. Wie gefällt Ihnen meins?“ Als sich unsere Blicke trafen, schickte er mir ein Lächeln herüber. Kein Wunder, dass er so schlecht gekleidet war. Offenbar brauchte er sein ganzes Geld, um sich Zahnkronen zu kaufen.

(nächste Woche geht es weiter...)


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.



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