Casino Erotique

Wenn Glück im Spiel ist

Als ich eintraf, war der Saal schon ziemlich voll. Um den Tisch rechts neben dem Eingang standen Holzer und Eggers, die Klösterlein stand kichernd am Tisch dahinter und linste ständig an den Nebentisch statt auf ihre Karten zu achten. Keine Ahnung, wer auf die idiotische Idee gekommen war, das Führungskräfteseminar in einem Casino stattfinden zu lassen. Sie wollten uns auf Risikofreudigkeit testen, aber so wie ich die Sache sah, war das Ganze ein Witz. Die meisten waren  schon betrunken, bevor auch nur ein Croupier „Rien ne va plus“ rufen konnte. Ich ließ mich durch den Raum treiben wie ein Stück Holz in einem brackigen Fluss.

Nach ein paar Minuten strandete ich an einem Roulettetisch. Black Jack war eigentlich mehr mein Ding, aber die Aussicht, neben Schlotterbeck und Grotmann zu sitzen und mir ihre Ausführungen über progressive Personalführung anzuhören, hatte mich abrupt nach links schwenken lassen. Nicht zuletzt, wegen des Croupiers. Der Kerl war etwa Mitte zwanzig, ein schlanker Blonder mit blauen Augen wie Veilchenbonbons. Er zwinkerte mir aufmunternd zu. Also legte ich ein paar Jetons auf Rot: zuverlässig, und doch gewinnorientiert. Ich brauchte jetzt dringend einen Fick, um wieder auf rosige Gedanken zu kommen.

400 Euro Miese später ging ich auf die Toilette. Grotmann lief an mir vorbei und klimperte mit seinen Jetons. „Mir kann keiner was vormachen“, grinste er. „Bin ein natural born winner.“ Ich würgte und schloss die Tür zur Damentoilette hinter mir. Kurz darauf ging sie zum Glück wieder auf. „Hi“, sagte der Croupier. Er machte eine Kopfbewegung und deutete mir an, ihm zu folgen. Wir gingen in eine Kammer, in der es nach Putzmitteln roch. Er setzte mich auf einen Putzwagen und zog vorsichtig meinen Slip herunter. Ich half seinem Kopf auf dem Weg zwischen meine Beine und lehnte mich zurück, so gut es auf dem Wägelchen ging. Schon bald fingen die Flaschen darauf an zu beben. Als ich fertig war, kniete ich mich vor ihn, und verschlang ihn mit einem Haps. Man darf nicht undankbar sein.

Auf dem Weg nach draußen strich ich mein Kleid glatt und steuerte auf den Black-Jack-Tisch zu, an dem Grotmann inzwischen sein Weihnachtsgeld verzockte. Ich mag Männer mit heruntergelassenen Hosen. Auch im übertragenen Sinn.


 

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Peeti Maas

Samstag, 03-04-10 21:23

Liebe Frau Lambert: Sehr vorsichtig und höflich geschrieben. Hat mir Freude gemacht.

 
 

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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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