Nachwuchssorgen

Jung Ding muss Weile haben

Er machte nun schon eine ganze Weile zwischen meinen Beinen herum, nur nie an der richtigen Stelle. Ich betrachtete gelangweilt seinen Scheitel, von dem aus sich braune Haar in drei verschiedene Richtungen aufmachte. Ich konnte mich nicht konzentrieren. Der Flaum auf seinen Wangen kitzelte mich an den Innenseiten meiner Schenkel und, anstatt zu kommen, sagte ich: „Wenn Du mich zum Lachen bringen willst, erzähl mir lieber einen Witz.“

Ich kaute noch auf dem letzten Wort herum, da war die Stimmung schon im Eimer. Seine Männlichkeit ringelte sich in seinem Schoß zusammen wie ein Hund, dem man Prügel angedroht hatte. Es war traurig, wirklich. Ich war mies gelaunt. Das kommt davon, wenn man mit Zwanzigjährigen ins Bett geht. „Tut mir leid“, murmelte ich. Er warf mir einen Blick rüber, der mich knapp verfehlte; es war mir vorher gar nicht aufgefallen, dass er einen Silberblick hatte. Seine Finger fummelten nervös an einer Packung Zigaretten herum, aber er kriegte keine zu fassen, weil die Packung noch voll war. Ich musste ihm helfen. Als sich unsere Fingerspitzen berührten, zuckte er zurück, als hätte er sich verbrannt.

„Sachte“, sagte ich, „so war es nicht gemeint.“ Aber er war beleidigt und guckte aus dem Fenster. Tolle Idee von Peter, unser Wissen an die nächste Generation weiter zu geben. Ich war für das Lehrmeistertum nicht geschaffen, Profis waren mir immer lieber gewesen, egal auf welchem Gebiet.

Aber ich konnte ihn nicht hier so sitzen lassen, mit seiner gekränkten Männlichkeit und allem, sonst wäre das Bürschchen für alle, die nach mir kommen würden, verdorben. Ich sah zu, wie er aufrauchte und starrte dann ein bisschen mit ihm aus dem Fenster. Zum Glück lief das Radio, sonst hätte man sein hektisches Schlucken gehört. Sein Kehlkopf tanzte auf und ab, als hätte er was Falsches gegessen, und ich verfluchte mich, weil ich nicht einfach die Klappe gehalten hatte.

„Pass auf“, sagte ich und stellte mich vor ihn hin, so dass er einen guten Blick auf meine Intimsphäre hatte. „Nimm es nicht persönlich. Ich hatte einen harten Tag in der Arbeit.“ – „Ich kann das eben nicht!“ Er klang so beleidigt wie ein frisch gerüffeltes Kleinkind und ich musste dem Impuls widerstehen, ihm zum Trost über den Kopf zu streicheln. Druck wegnehmen, dachte ich mir, das mache ich im Job genau so. Ich kniete mich vor ihn hin und nahm ihn in den Mund. Er seufzte kurz auf, so überrascht und erfreut, wie es nur ganz junge Männer können. Er wurde rasend schnell groß und sprudelte bald darauf los.

Seine Wangen waren rot, die Hastigkeit, mit der er gekommen war, war ihm peinlich. „Macht nichts“, sagte ich, „jetzt zeige ich dir noch mal, wie man sich um eine Frau kümmert.“ Ein paar Augenblicke später hatte er es kapiert. Diese jungen Dinger. Lernen wirklich schnell.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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