Wieder auf der Piste

Warum ich nie Ski fahren können werde

Ich kann nicht besonders gut Ski fahren, was vor allem an Jean-Jacques liegt, einem Skilehrer, den ich im Winter 1985 mal in Chamonix hatte. Jean-Jacques war von ausgesuchter Schönheit. Seine braunen Locken hatten durch die Höhensonne einen goldenen Schimmer, seine Haut war von indianischer Bräune und wenn er Deutsch sprach, wurden meine Knie weich. Ich war damals noch nicht mal zehn, aber ich wusste sofort, dass ich Jean-Jacques heiraten musste, koste es was es wolle. Ich hatte ihn zwei Wochen später schon wieder verdrängt, aber seitdem konnte ich nie mehr einen Skikurs machen, ohne mich in den Skilehrer zu verknallen, was angesichts der harten weiblichen Konkurrenz pro Kurs meiner Konzentration sehr schadete. Ich fahre bis heute hauptsächlich im Schneepflug, sobald es brenzlig wird. Es ist lächerlich.

Das hält mich natürlich nicht ab, jedes Jahr einen Skiurlaub zu machen. Mimi kommt fast immer mit. Diesmal waren wir im Schnalstal, was ich nur empfehlen kann. Vor allem wegen der Skilehrer.

Ich war im Fortgeschrittenenkurs, zum ungefähr zehnten Mal in meinem Leben. Wir standen alle in einer Reihe wie die Schulkinder. Ich musterte die Konkurrenz. Vier der Frauen schieden aus, weil sie zu bieder waren, drei waren zu alt, die restlichen drei waren ziemliche Reißer.

Wer von euch kann denn schon wedeln?, fragte Gaetano, der Skilehrer. Er hatte dunkles, fast schwarzes Haar, auf dem sich winzige Schneekristalle sammelten.

Wedelmässig könnte ich ein paar Privatstunden gebrauchen, sagte eine Blonde. Ihre Augen funkelten angriffslustig zu mir herüber. Ich stopfte demonstrativ meine Skistöcke in den Schnee, sagte aber nichts. Ich entscheide das Rennen gerne auf der Piste. Zum Glück hatte ich mir einen neuen Overall gekauft. Das Ding war superdünn und superheiß. Ich hatte fast nichts drunter, darum konnte man meine Nippel auch so gut sehen. Das beste war der lange Reißverschluss, den man bis zum Schritt aufziehen konnte. Darunter ging es mit Druckknöpfen weiter. Ich stellte mir vor, wie der schnittige Gaetano mir von hinten die beste Wedeltechnik erklärte, dabei an meinem Brustwarzen spielte und dann langsam mit seiner Hand an meinem Bauch abwärts glitt. Mir wurde so warm, dass ich den Reißverschluss noch ein bisschen weiter aufziehen musste.

Keine Ahnung, ob Gaetano Gedanken lesen kann. Aber als wir mittags Pause machten, ließ ich mich zurückfallen, um zu sehen, ob er sich auch zurückfallen lassen würde, und das tat er.

Gleich um die Ecke ist eine tolle Stelle, an der man sich sonnen kann, sagte er und nahm mich an der Hand.

Ach ja?, fragte ich. Was soll ich denn sonnen?

Dein Dekolleté zum Beispiel sagte er und zog mir den Reißverschluss auf. Keine Angst, es wird dir gefallen.

Ich weiß, dass es ungesund ist, wegen Hautkrebs und so weiter, trotzdem habe ich immer Tiroler Nussöl dabei. Gaetano ließ die Tropfen auf meine Brüste perlen und massierte mich. Die Sonne war so warm, dass wir uns fast vollständig ausziehen konnten. Wo meine Schenkel den Schnee berührten, bildeten sich winzige Bäche aus Schmelzwasser.

Abends im Hüttendorf brannten mir die Schenkel nicht nur vom Skifahren. Mimi war stocksauer. Sie war in einem Kurs mit einer Lehrerin gelandet.

Du kannst es mit einem tollen Italiener treiben, während ich mich mit so einer Sportfanatikerin die Berge runterquäle, schimpfte sie. Da bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als mich mit dem Tellerlift zu vergnügen.

Mimi, sagte ich, manchmal bist du wirklich ekelhaft.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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