Neues von der Heimatfront

Das nächste große Ding sind regionale e-Mags

Von Wolfgang Michal

Manche meiner Kollegen denken über die Gründung von Internet-"Lokalzeitungen" nach. Der Erfolg jener Webseiten, die oft schon im Namen ihre regionale Verwurzelung betonen, scheint ihnen den nötigen Ruck zu geben. Diese Seiten heißen - ich kann sie hier nicht alle aufzählen -: Ruhrbarone, Pottblog, Hauptstadtblog, Heddesheim Blog, Neustadt (Dresden), Erzgebirgsblogger, Gelsenkirchen Blog, Münchenblogger, Frontbumpersticker (Hannover), Stuttgart Blog, Sauerlandthemen, Branden Blog (Brandenburg), Thüringer Blogzentrale usw...

Hugo E. Martin hat kürzlich eine Liste dieser "Placeblogs" zusammengestellt. Das Blogradar Wikio führt seit März 2008 eine extra Rangliste der 100 wichtigsten "Deutschland-Blogs". Und Robert Basic (dem viele ein Gespür für Netz-Entwicklungen nachsagen) bastelt mit seinen Buzzriders an einer interaktiven Lokalnachrichten-Seite.

Zwar sehen sich viele dieser Lokal-Angebote bislang als reine Dienstleister, die regionale Veranstaltungshinweise zusammenstellen und mit persönlichen Impressionen anreichern. Auch gibt es zahlreiche Stadt-und Kreisverwaltungen, die ein Online-Regionalmagazin als verlängerten Arm des Stadt-und Provinz-Marketings betrachten. Und insgesamt herrscht bei den meisten Deutschland-Blogs leider noch viel zu viel Kraut & Rüben.

Doch einige wenige Portale haben bereits einen journalistischen Anspruch entwickelt, der über reine Serviceleistungen hinausgeht und mit den Lokalzeitungen konkurrieren kann. Solche Blog-Redaktionen versuchen, durch eigene Recherchen die ursprüngliche Aufgabe einer Lokalzeitung wieder zu beleben, das heißt, nicht nur über Pressekonferenzen, sondern auch über Interessenkonflikte zu berichten. Vor allem wollen sie die Einengung der Lokalberichterstattung auf Schützenfeste, Hochsitz-Einweihungen und Ehrungen stellvertretender Ortsbrandmeister nicht länger hinnehmen.

In den unzufriedenen Lesern haben sie die besten Verbündeten. Der Ärger eines größer werdenden Teils der Landbevölkerung (aber auch der Stadtviertel-und Kiezbewohner) über unzureichende lokale Informationsangebote hat einen Punkt erreicht, der die Freisetzung kreativer Kräfte geradezu herausfordert. Denn die Menschen in der Provinz sind klüger und differenzierter, offener und neugieriger als es die altbackenen Anzeigenblätter und lokalen Monopolzeitungen wahrhaben wollen. 

Diese Leser suchen dringend nach einer ernst zu nehmenden Alternative. Sie haben die unerträgliche Mischung aus Agenturmeldungen, Hofberichterstattung, Honoratioren-PR und Allerweltsgewäsch aus Gesundheitsratgebern und Testberichten satt. Sie wollen nicht länger mit den 50er-Jahre-Phrasen "... wurde kräftig das Tanzbein geschwungen" und "Der Wettergott hatte ein Einsehen" veräppelt werden.

Professionell gemachte Regional-Blogs oder Webmagazine hätten es gegen die derzeitige Konkurrenz nicht allzu schwer. Doch um dauerhaft Erfolg zu haben, müssten noch ein paar "technische" Randbedingungen erfüllt sein:

  1. müsste der Ausbau des DSL-Netzes in den ländlichen Gebieten beschleunigt werden.
  2. müsste die Rubriken-Werbung (Kleinanzeigen, Tauschbörsen, Veranstaltungskalender usw..) so in das Angebot integriert sein, dass Handwerksbetriebe, Kneipen, Geschäfte und sonstige Anbieter gern zur lokalen Online-Konkurrenz wechseln.
  3. müssten die lokalen Online-Magazine verstärkt mit sozialen Netzwerken kooperieren, um interessante Diskussions-Foren und Bürger-Initiativen mit einzubinden.
  4. müssten Fonds aufgelegt oder Stiftungen errichtet werden, aus denen die Anschubfinanzierung für die lokalen Webmedien kommen könnte.

Sind diese Randbedingungen erfüllt, könnte es schnell zu einer lokalen Gründer-Welle kommen. Und die lustlosen Platzhirsche aus der Regionalzeitungsbranche müssten sich neue Reviere suchen.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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