Und es wurde eine zauberhafte Ballnacht!
Über sich selbst schreibt die Heimatzeitung besonders gern
Meine Heimatzeitung schreibt – manchmal – am liebsten über sich selbst. Kürzlich zum Beispiel erst wieder, als Presse- und Opernball in Oldenburg war. Der wird veranstaltet vom Oldenburgischen Staatstheater und dem Presseclub Weser-Ems e.V., dessen Vorsitzender nicht ganz zufällig der Chefredakteur der Heimatzeitung ist, mit der der Presseclub auch die Anschrift teilt. Das geht natürlich nicht anders, denn es gibt weit und breit kein zweites Unternehmen, dass sich mit der Herstellung und dem Vertrieb einer Tageszeitung (und diverser Anzeigenblättchen) beschäftigt, das außerdem noch Beteiligungen an Radiosendern hält und demnächst auch noch ins Lokalfernsehgeschäft einsteigt.
Damit der Presse- und Opernball auch tatsächlich zum unübersehbaren Ereignis wird, nutzt die Heimatzeitung schon Wochen vorher ihre gesamte publizistische Kraft und schaltet in eine Art Dauerwerbebetrieb. Man hat ja Platz im Blatt – so lange gerade kein verkaufsoffener Sonntag ansteht –, also nutzt man ihn für die eigene Sache und drechselt Texte, die sich so lesen, als sei die Drechselmaschine schon lange nicht mehr gewartet worden oder das Material einfach nur schlecht. Vielleicht ist es auch beides. Da hilft es dann auch nichts, dass gelegentlich ein Mitglied der Chefredaktion an der Drechselmaschine sitzt. Es landen PR-Texte im Blatt, über deren Floskeln sich der Umblätterer für seine Rubrik Regionalzeitung sicherlich sehr freut.
Natürlich wird der Ball – da sind es noch gut drei Monate bis zum ersten Walzerklang, das Blatt weiß aber schon: "Presse- und Opernball wird traumhaft" – als "gesellschaftliches Ereignis Nummer eins" in den Festkalender einsortiert, selbstverständlich wird das Fest "illuster" und die Ballnacht "rauschend", ja, "fantastisch" sein, ein "gesellschaftliches Ereignis" gar, das eine Frauen-Combo, in der "quirlige Damen" allerlei Blasinstrumente bedienen, durch "schmissige Musik mit guter Laune zum Erlebnis machen wollen".
Knapp zwei Monate später und noch einen Monat bis zum Ball, ist von einem "märchenhaften Schweben" die Rede, und wieder floskelt sich der für die PR abgestellte CvD durch die Balllyrik, als hätte er das Fachbuch "Einladungen für Partys und Feste" aus dem Falken-Verlag vor sich liegen gehabt: "Das Oldenburgische Staatstheater und der Presseclub Weser-Ems laden zur Traditionsgala, die ihresgleichen in der Region sucht. Viele Persönlichkeiten der Stadt und der Region werden diese unvergessliche Nacht mitfeiern. Zahlreiche Prominente aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft werden dabei sein…" usw.
Überraschend, dass der Ball schließlich haargenau so war, wie es vorausgesagt worden war: "Dass am Ende alle tatsächlich von einer zauberhaften Ballnacht schwärmten, war kein Traum, sondern Wirklichkeit…". Die Damen trugen übrigens schimmerndes Rot und changierendes Schwarz.
Wer jetzt noch Lust hat, kann sich durch Dutzende Bilderstrecken klicken oder Filme anschauen. Muss man aber nicht, es sei denn, man möchte völlig unbekannten Ballbesuchern vornehmlich beim Betreten des Saals oder bei der Schlacht ums Buffet zuschauen.



