Heute: Attentat

Ein Wort, das immer böser wurde

Versuchen heißt lateinisch attentare, das wiederum setzt sich zusammen aus ad- und temptare, was ins Bedeutungsfeld von antasten, angreifen, versuchen gehört. Das englische attempt, als Substantiv wie als Verb, erinnert daran. An attempt on a joke heißt: der Versuch, einen Scherz oder einen Witz zu machen, aber das Scherzen vergeht uns augenblicklich.

Das Wort Attentat, das wir in letzter Zeit so oft hören und anwenden müssen, kam vor rund 700 Jahren ins Deutsche, also in die späte Phase des Mittelhochdeutschen, übernommen aus lateinisch attentatum, und das bedeutete eigentlich nur das Versuchte. Schon damals wurde es allerdings bevorzugt für eine versuchte Missetat verwendet, zunächst für alle möglichen Verbrechen wie Viehraub, Waldfrevel oder eben auch Mord.

Auch die Franzosen liehen sich, was ihnen ja noch viel leichter fiel als den Deutschen, das Wort aus dem Lateinischen. Bei ihnen nahm es im Lauf der Zeit die Bedeutung des Mordanschlags auf einen politischen Gegner an, und in diesem Sinn wurde es seit dem 18. Jahrhundert dann auch in Deutschland verstanden – allmählich.  Die Ermordung des demokratiefeindlichen Dramatikers, Verlegers und Publizisten August von Kotzebue, 1819 in Mannheim, durch den Burschenschafter und Theologiestudenten Karl Ludwig Sand im Jahr 1819 wurde schon damals auch als Attentat bezeichnet.  Das  Grimmsche Wörtbuch, Band eins von 1857, unterschlägt das Wort allerdings noch.

Attentat meint heute in der Regel nicht nur den versuchten Anschlag auf politische Gegner, sondern vor allem den gelungenen, und oft geht es gar nicht mehr um die Tötung eines politischen Gegners, sondern nur noch um die Verbreitung von Terror wie zuletzt wieder in Moskau.

Die drei Buchstaben -tat am Ende des Wortes haben nichts mit dem deutschen Wort Tat zu tun, aber es lag nahe, dass man den, der ein Attentat begeht, im Deutschen Attentäter nennt. Das sprachbildende Talent des gemeinen Volkes ist da nicht wählerisch, aber phantasievoll.

Was heißt Attentat (oder auch Mord)  auf Englisch? Assassination.  Was heißt Mörder auf Französisch? Assassin.  Das ist ein Wort, das die christlichen Kreuzfahrer zu Beginn des zweiten Jahrtausends aus dem Orient mitbrachten, wenn sie von den Assassinen berichteten, einer radikalen ismailitischen Sekte, zu deren wirksamsten Mitteln des Machtgewinns und -erhalts der politische Mord gezählt haben soll. Vermutet wurde – und wird ­–, dass die Assassasinen (die geglättete Form des Wortes hashshashin) so genannt wurden, weil sie zur Motivation für ihre Attentate Haschisch nahmen (oder nehmen mussten?). Sicher ist das nicht.  Denn leider reicht zur Motivation oft selbst erlittenes Unrecht (wie bei den Schwarzen Witwen Tschetscheniens) oder fanatischer Glauben, wie ihn unsere Kreuzfahrer, unsere katholischen Inquisitoren ebenso wie unser großer Reformator und Henkershelfer Calvin bewiesen haben.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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