Heute: Danke

Ohne Denken kein Danken

Von Alfred Welti

Wir lassen uns, wenn auch nur kurz, zu einer „bewuszten thätigkeit des geistes“ hinreißen, wie das Verb denken im 1860 erschienenen Band zwei des Deutschen Wörterbuches definiert wird. Dabei gedenken wir mit Dank der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, die das monumentale Werk begründet und dank eifriger Hilfe vieler Mitstreiter immerhin bis zum Buchstaben F fortschreiben konnten. Denken und danken, der Gedanke und der Dank, to think und to thank sind enge Verwandte. Sie alle werden auf den indoeuropäischen Stamm teng- zurückgeführt, der geistige und seelische Bewegungen jeglicher Art meinte, also auch schon denken, aber noch nicht gleich danken.

Dank stand über Jahrhunderte für den Gedanken, daneben auch für den Willen oder die Absicht. Die Wendung ohne Dank bedeutete lange Zeit unabsichtlich oder gegen seinen (deinen, meinen) Willen.  Drehen wir die Sache um und sagen: mit meinem Dank, so bedeutete dies zunächst einmal mit meiner Zustimmung oder Billigung oder mir zu Willen. Damit kommen wir dem Dank in seiner heutigen Bedeutung schon ziemlich nahe. Stimme ich einer Sache zu, fällt eine Dienstleistung zu meiner Zufriedenheit aus, hat sie meine Anerkennung.

Von der Anerkennung zum Dank ist es, wenn wir‘s recht bedenken, nur ein kleiner Schritt, der spätestens im Frühneuhochdeutschen getan wurde. Was man vorher sagte, wenn man ausdrücken wollte: Ich danke dir, Magda - ich ahne es nicht, wäre somit überaus dankbar, wenn mir eine Leserin den richtigen Hinweis geben könnte.

Bedenken wir, dass neben denken und danken auch dünken und Dünkel (das Phänomen, wenn jemand denkt, er sei was Besseres) sowie Dacht zur Familie gehört, so deucht mich, dass der Urahn teng- ordentlich für Nachwuchs gesorgt hat. Dacht hat sich als selbstständiges Substantiv zu Grabe gelegt, diente aber als Organspender für die Wörter Bedacht, Andacht und Verdacht.

Mit dem Adjektiv verdächtig belegten unsere Ahnen vor tausend Jahren etwas Vorbedachtes, Überlegtes. Später wendete man es auf jemanden an, der Verdacht hegte. Im 17. Jahrhundert wurde es vermuteten Übeltätern angehängt, und an diesen Verdächtigen wird es noch eine Zeitlang hängen bleiben – bis, das ist mein Verdacht,  das englische Wort suspect siegt.


 


Mit ... teilen: 



Artikel empfehlen
Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


NEU

Streit
25.01.2013

Süsssauer
07.01.2014

Die Reportage
01.01.2013

Kopkas Tagebuch
24.01.2012

Wiese und Weltall
02.04.2013

Bel Etage
11.05.2013

KrossMedia
06.01.2014