Heute: Equal Pay

Das kann uns überhaupt nicht egal sein

In vielen Berichten der letzten Tage kam das Wortpaar equal pay vor, zum Beispiel, wenn es um die gescheiterten Hartz-Verhandlungen und die Forderung der Opposition nach gleicher Bezahlung für Leiharbeiter ging. Die Frauen fordern, zu Recht, equal pay. Warum sie das immer öfter auf Englisch tun, verstehe ich nicht auf Anhieb, gleiche Bezahlung klingt ja auch nicht schlecht. Aber equal pay ist ein flotter Dreisilber, gleiche Bezahlung ein hinkender Fünfsilber, kann ja sein, dass sich jemand  in der gesparten Rede- oder Schreibezeit Atem oder Platz für neue Argumente erhofft. Keine Kritik, nur eine Anmerkung. Ist doch egal.

Egal und equal stammen aus derselben Kinderstube. Das lateinische Grundwort aequus, das soviel wie eben oder auf gleicher Höhe bedeutet, hat eine reiche Nachkommenschaft erzeugt, mit edlen und etwas heruntergekommenen Bedeutungen. Woher aequus kommt, können die Etymologen nicht sagen, ich tippe kühn, aber ohne Beweise auf aqua, das Wasser, das ja immer eine Ebene zu bilden sucht (und sich deshalb als Füllung für Wasserwaagen eignet.)

Egal kam im 17. Jahrhundert aus dem Französischen zu uns, es leitet sich, wie equal, von lateinisch aequalis ab, das so nahe bei aequus steht wie gleichartig (oder gleichgültig) neben gleich. Substantiviert, schwang es sich im Französischen zur égalité auf, bei uns sank es, im Sprachgebrauch, zur Bedeutung von gleichgültig herab, das ja seinerseits in der Bedeutung gesunken ist, denn gleich gültig ist im Grunde ein schöner Ausdruck für zwei oder mehrere Dinge, die gleich viel wert sind.

Wenn wir heutzutage sagen: Das ist mir egal, dann meinen wir meist, dass uns das eine wie das andere gleich wenig wert ist, dass es uns gleich wenig berührt. Aus aequalis machten die klangverliebten Italiener uguale – und sie verwenden es im Sinne von gleich, aber, genau wie wir, auch in Sätzen wie „Mi è proprio uguale con quale ragazza l‘onorevole cavaliere passa le sue notti.“ Is mir doch wurscht, mit welchem Mädchen der ehrenwerte Herr Berlusconi seine Nächte verbringt. Hauptsache, er regiert, und das tut er doch in gleich phantastischer Weise.

Das Verb egalisieren, ebenfalls von den Franzosen geerbt, hören wir am häufigsten in Sportberichten, möglicherweise demnächst an zahlreichen Wahlabenden mit adäquaten Aussagen und den immer gleichen Danksagungen in den Politikerrunden. 

Wir haben auch schon mal was vom Äquator, dem Gleichmacher, gehört, der den Erdball in zwei gleich große Hälften teilt. Und schauen gern zu, wenn sich Äquilibristen, Gleichgewichthalter, auf dem Hochseil bewegen. Alles Fremdwörter, aber gut integrierte Vokabeln mit Migrationshintergrund. Wir haben uns daran gewöhnt, sie zu verstehen.

Ein Abkömmling von aequus, immerhin, hat es zum Status des Lehnworts gebracht, also, dilettantisch gesprochen, zum Deutschen ausländischer Herkunft, dem man’s nicht mehr anmerkt. Das lateinische Verb aequare, es heißt gleichmachen oder angleichen oder ausgleichen, wanderte über Frankreich (noch ehe es als Reich existierte) nach Deutschland (ehe es existierte) und wurde als eichen heimisch. Ursprünglich wurden nur Fässer geeicht – nicht etwa, weil die Fässer aus Eichenholz waren, sondern weil mal ihr Inneres ausglich mit dem Ziel, dass sie die gleiche Menge Wein fassten.

Der Wein, übrigens, hat sich gleichfalls als anpassungsfähiger Migrant bewährt. Sogar auf den Schieferhängen meiner unterfränkischen Heimat hat er gewurzelt und als „Würzburger Stein“ auch Goethe zu größeren Bestellungen bewogen, wiewohl der Dichter doch von italienischen Gewächsen verwöhnt war.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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