Was kommt nach Gottschalk?

Erst Ägypten und nun das … soviel Zeitgeschichte war selten

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Der Mann mit den großen Schuhen (Foto: SpreePiX)

Wie konnte das passieren? Deutschland diskutiert, weint und ereifert sich über die Frage, wer der Gottschalk-Nachfolger bei Wetten, dass...? wird, und der Spiegel macht eine Großgeschichte über Stefan Raab? Das ist fast so, als wenn die Tagesschau auf dem Krisenpunkt der ägyptischen Revolution nicht mit dem Tahrir-Platz aufmacht sondern mit dem Stuttgarter Bahnhofsvorplatz. Oder weiß der Spiegel wieder mehr als wir alle, etwa dass allein Raab Kapitän des sogenannten Flaggschiffs der Samstagabend-Unterhaltung werden kann?  

Im Dorflebensmittelmarkt meines Vertrauens höre ich um 8.15 Uhr die erste Expertise: Wetten, dass...? ginge nicht ohne Gottschalk. Da solle man im Sommer auf Malle mutig die Lichter ausgehen lassen. Furioses finale und Schluss! Nein, sagt Elise aus der Alpenblicksiedlung, das hätte man nach Elsner vor rund 25 Jahren auch gesagt. Und es ging, nach einem kurzen Tal mit Lippert, dann doch weiter. Eben mit diesem „Gott des Schalks“. Donnerwetter – so eine Formulierung vor dem Frühstück! Und die Frau kennt sich aus, eine Zeitzeugin!

Wenig später im Autoradio: Hörerbefragung! Wer wird, wer kann, wer darf Tommy beerben?

Die üblichen Verdächtigen weden genannt. Allen voran die Gilde der Ratespielgrimassierer. Mit deutlichem Vorsprung für Pilawa. Dann Anke Engelke. Die Frau kann einfach alles, sagt ein Mann mit leicht arabischem Akzent. Anke? Ein Medienexperte und ehemaliger Messdiener von Thomas Gott schüttelt den Kopf (soweit man das im Rundfunk hören kann), entschließt sich dann aber doch zu einem kräftigen: Jein. Dann vielleicht doch eher noch Kerkeling? Wobei die Gefahr besteht, dass Hape in drei, vier Jahren in keinen Abendanzug mehr passt. Ein Dicker in anständiger Garderobe wirkt immer so, als wenn er sich über anständige Garderobe lustig machen will. Das würde auf die Quote gehen. Noch viel schlechter allerdings sei Casting, man dürfe nicht auf das Bohlen-Niveau runter. Wer wird Deutschlands next Gottschalk? Never ever!

Warum höre ich mir das an, warum tatsch-skriene ich nicht einfach weiter auf Antenne Rock oder Bayern 2?

Weil ich traurig bin. Und kein Trost, nur … Nur? Ich glaube nur Nuhr (Dieter) könnte das. Der steht so fest im Nirgendwo zwischen Kabarett, Kalauer und Small Talk, dass man ihm das zutrauen könnte. Warum fällt mir das erst jetzt ein? Ich hätte mich doch per Handy heute früh in die BR-Befragung hinein schalten lassen können. Wieder eine Chance vertan, Zeitgeschichte mitzuschreiben.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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