Hyperlokal, sublokal, schietegal?

Die Regionalblätter entdecken den Kiez. Weil die Themen dort auf der Straße liegen.

Von Wolfgang Michal

Sublokale bzw. hyperlokale Berichterstattung ist das nächste große Online-Ding. Das war jedem klar, der 1 und 1 zusammenzählen konnte. Denn auf diesem Feld gibt es in vielen Regionen Deutschlands keine ernstzunehmende Konkurrenz mehr. Viele Provinzblätter sparen sich zu Tode, und das journalistisches Angebot der Anzeigenblättchen neigte schon immer zur Selbst-Parodie („Petrus hatte ein Einsehen“, „Stubentiger Karl feiert seinen 15. Geburtstag“).

Doch 2011 könnte trotzdem zu einem entscheidenden Jahr für den Lokaljournalismus werden. Denn er steht vor der Frage: Geht er endgültig vor die Hunde oder erhält er von unten, von der Straße, neue Impulse?

Während sich die Hyper-Lokaljournalisten im Netzwerk istlokal zusammenschließen, verzweigen die Altmedien ihre Online-Berichterstattung neuerdings bis hinunter in die Kiez-Quartiere. Das Hamburger Abendblatt wird in den kommenden Wochen (passgenau zur Bürgerschaftswahl) 18 so genannte Bürgerreporter in die Stadtteile schicken, damit sie Ungewöhnliches und Aufregendes von dort „berichten“ („Frühjahrsputz am Uni-Brunnen“).

Ob das Abendblatt mit der Beschäftigung von Amateuren seine „lokale Kompetenz vertieft“ - wie es selbstbeweihräuchernd heißt - oder ob das Lokale nun endgültig zur PR-Maßnahme in eigener und fremder Sache verflacht - „Vodafone stellt als Projektpartner die Netbooks und Smartphones zur Verfügung“ - ist noch nicht ausgemacht. Claus Strunz, der umtriebige Chefredakteur, formuliert das Anliegen aber schon gekonnt im Web 2.0-Jargon „Wir glauben an die Zukunft des interaktiven, sublokalen Journalismus und investieren aus diesem Grund nachhaltig in neue Projekte.“

Apropos „investieren“: Honoriert werden die Stadtteil-Reporter erst, wenn ihre Storys auch im gedruckten Abendblatt erscheinen.   

Lesen Sie dazu auch Felix Zimmermanns Kolumne „Bratwurst mit Senf“


 

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Hardy Prothmann

http://istlokal.de

Samstag, 29-01-11 18:15

Guten Tag!

Danke für die freundliche Erwähnung und den Hinweis auf den Versuch der Zeitungen, sich von oben nach unten zu orientieren.

Wir gehen davon aus, dasss es von unten nach oben besser klappt ;-)

Gruß
Hardy Prothmann
für istlokal.de

 
 

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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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