Heute: Das schönste Wort

Finden wir nie, aber zum Trost nehmen wir Liebe

Was ist das schönste Wort unserer Sprache? Wissen Sie nicht, weiß ich nicht, weiß kein Mensch. Es gibt, finden wir uns damit ab, gar kein schönstes Wort, wiewohl es, keine Frage, viele schöne Wörter gibt. Ich habe unter 2771 Freunden eine Umfrage gemacht, um herauszufinden, was das schönste Wort ist. Ich hätte nach dem Lieblingswort fragen müssen, habe aber, aus schierem Übermut, gefragt: Was ist das schönste Wort unserer Sprache?

994 meiner Freundinnen und Freunde antworteten gar nicht. Ich rechne sie jener Gruppe von 831 schlauen Menschen zu, die, sinngemäß, antworteten: Es gibt gar kein schönstes Wort, was soll die Frage? Stellvertretend zitiere ich einen, naja, immerhin hat er geantwortet, also nennen wir ihn Freund. Mein Freund A. schrieb:

Lieber Alfred, ich kann mir gut vorstellen, dass Dir für Weltiswortwechsel die Themen ausgehen, jetzt kommst Du auf die primitivste Idee überhaupt. In Redaktionen kommt sie immer dann auf, wenn den Leuten wirklich nix mehr einfällt:  Machen wir doch ‘ne Umfrage. Präzises Denken war ja noch nie Dein Fall, sonst hättest Du Dir vorher mal klar gemacht, ob Du nach dem (ich sag‘s primitiv, damit Du’s kapierst)  k l a n g l i c h  schönsten Wort fragst, eine reine Geschmacksfrage, oder nach einem Begriff, mit dem sich für die Leute was Schönes verbindet, und der kann in verschiedenen Sprachen, ja schon in verschiedenen Dialekten, ganz anders lauten. Was klingt besser, Du Ignorant – Liebe, love oder amore?

Mein Freund A.  nannte dann einige vulgäre Beispiele, die hier nicht wiederholt werden, und fragte zum Schluss, mit freundlichen Grüßen, wie mir das Wort dicht gefalle und ob ich noch ganz dicht im Kopf sei. Ich teilte ihm mit, dass er von der Umfrageliste gestrichen sei, und wies ihm auf meiner Freundesliste die Nummer 2769 zu. Zwei neue Freunde, und er fällt hinten runter. Er hat ja ziemlich Recht, aber kann man Einwände nicht etwas freundlicher formulieren?

Bleiben 946 Vorschläge, von denen viele nur einmal genannt wurden, darunter Blutwurst (was ja wirklich ganz gut klingt), Tannenzapfen, Sumpfmeise (ein hübscher Sperlingsvogel) sowie Krawattennadel, Hartz-vier, Halbdunkel, Zeitlupe (aus meiner Sicht wirklich eine Super-Metapher) und Ikea-Regal. Die Motivlage ist gemischt und schwankt zwischen Klang und Bedeutung. Der Befürworter von Ikea-Regal schwor unaufgefordert, dass er so etwas niemals kaufen, geschweige denn selbst montieren würde, aber von den Selbstlauten her baue sich Ikea-Regal wirklich schön auf, i e a e a.

Wir kommen jetzt zu den Mehrfach-Nennungen, und es sind, sorry, die üblichen Verdächtigen: Knapp gesiegt hat das Wort Himmel,  das im Deutschen zwei Bedeutungen hat, nämlich das, was wir da oben sehen (englisch sky, das Wort haben die Briten von ihren skandinavischen Eroberern), und das, was manche jenseits davon ersehnen (englisch heaven), das Reich, wo wir Guten uns alle mal treffen werden. Lautlich gesehen, macht das Wort Himmel, das (sprachgeschichtlich) mit Hemd verwandt sein soll (das tertium comparationis wäre die bedeckende, schützende Funktion), nicht viel her. Manch einer artikuliert es bei Gelegenheiten, die sich nicht ganz oben und mitunter ohne Hemd abspielen. Himmel!

Zweiter Sieger (hätte ich andere Freunde, wäre es vielleicht haushoher Sieger geworden) wurde das Wort Liebe. Es ist mit bleiben verwandt.  Bronze ging an das Adjektiv gut (sind wir ja alle gern und mögen es auch bei Lebensmitteln und Kochsendungen in KochARD und KochZDF, von den Privaten ganz zu schweigen).

Hinter dem Wort Wein (Platz sieben) schnitt das Wort schön ganz ordentlich ab, aber, ehrlich gesagt, ich hätte es gern weiter oben gesehen und verspreche, beim Wortwechsel der nächsten Woche nur über schön zu sprechen. Aber das ist schon zu viel versprochen.

PS: Die Umfrage hat zwar stattgefunden, die Teilnehmerzahlen sind allerdings gefälscht, denn ich habe etwa 2769 Freunde weniger.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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