Heute: Özil macht's

Ein Joghurt am Kiosk

Der deutsche Kicker Mesut Özil hat mit einem Tshabalala-Treffer dafür gesorgt, dass die DFB-Auswahl im Achtelfinale gegen das Team von England spielt. Tshabalala, der Südafrikaner, schoss das erste Tor der Weltmeisterschaft in Südafrika aus zwölf Metern Entfernung. Özil war 18 Meter vom Tor der Ghanaer entfernt, als er seinen Knaller losließ, ein, wie sagt man?, Traumschuss des 21-jährigen Gelsenkircheners, der zu den Punktebringern von Werder Bremen zählt.

Mehr davon! Mehr Özil-Tore, mehr deutsche Türken, die das Ruhrgebiet bereichern und dem Ruhrgebiet fehlen (Schalke hat den Mann ziehen lassen). Was Özil, nach dem Sieg, so gesagt hat, klang schlicht und sympathisch: Freude, durchtränkt von gelinder Selbstkritik, und all das fein vorgetragen in schönem, die Herkunft nicht verleugnendem Deutsch.

Das Ruhrgebiet, dem vor gut einem Jahrhundert polnische Bergleute zu einem enormen Zuwachs an Kraft und Grips (plus teils tüchtigen, teils legendären Fußballern wie Szymaniak, Tilkowski, Kalwitzki, Koslowski, Burdenski, Kwiatkowski, Koniezka, Libuda) verhalfen - das Ruhrgebiet kann sich auf seine Zuwanderer verlassen.

Jahreszeitlich bedingt, überreichen wir Mesut Özil keinen Tulpenstrauß, obwohl das einen schönen Hintersinn hätte ­ – die Tulpe (lale) ist uns vor Jahrhunderten aus der Türkei zugewachsen. Wir verkneifen uns auch, ihm einen Strauß Türkenbund zu überreichen, wiewohl diese Blumen, benannt nach den turbanähnlichen Blüten, höchst attraktiv sind. Er kriegt auch keinen Empfang mit Champagner und Kaviar (das Wort Kaviar haben wir vom türkischen havyar).

Nein, wir laden ihn ein zu einer Sause an einem – aus dem Ruhrgebiet nicht wegzudenkenden – Kiosk. Der Kiosk heißt an der Ruhr allerdings Bude oder Büdchen, andernorts auch Trinkhalle. Türkisch köşk, daher stammt unser Wort, bedeutet Pavillon oder Schlösschen. Also bitten wir den Eins-zu-Null-Schützen in ein Schlösschen, in einen Pavillon, sechs bis acht Quadratmeter groß, in Johannesburg, Gelsenkirchen oder Bremen. Wir sorgen dafür, dass es dort, außer Pils, auch yoğurt (türkisch) gibt. Rechtsdrehend, linksdrehend? Egal, nur rein damit.


 

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Fan

http://www.fussball.de/transfermarkt-bremen-droht-mit-oezil-die-gleiche-geschichte-wie-dem-fc-schalke/id_21282260/index

Dienstag, 29-06-10 09:26

Es wird gerne schwarz und weiß gemalt. Aber leider ist es nicht so einfach. Schalke hat den damals 18-jährigen nicht einfach ziehen lassen, sondern einen Millionenangebot gemacht.

Özil und sein Vater und Berater pokerten damals bei seinem Heimatverein Schalke 04 um noch mehr Millionen, den der Verein in dieser Höhe nicht akzeptieren wollte und konnte. Diese Raffke-Mentalität brachte ihm seinerzeit in Gelsenkirchen und Umgebung den Spitznamen "Schnözil" ein. Als er dem Verein zwar seinen Handschlag gab, nicht aber seine Unterschrift, erklärte Andreas Müller, der damalige Manager der Schalker, frustriert über das Gebaren des Jungstars, dass der Spieler fortan kein Spiel mehr für den Verein machen würde.

Diese Haltung scheint sich übrigens jetzt in Bremen, wohin der Spieler nach seiner Demissionierung floh, nun exakt seine Fortsetzung zu erfahren. Özil spielt mit Bremen wie damals mit Schalke genau das gleiche Spiel. Auch hier geht es wieder um einen neuen Vertrag und mithin um eine Menge Geld. Und erneut wird er dabei zu einer "Reizfigur", die bisweilen durch provokanten Vertragspoker mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam macht

Es ist auch bei Özil nicht alles Gold, was glänzt!

 
 

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