Männer!

Kluge Frauen halten euch vom Lesen ab

Von Wolfgang Michal

Vor drei Jahren schrieb ich ein absolut notwendiges, hintersinniges, leidenschaftliches und gesellschaftspolitisch brisantes Buch über Männer. Ein Buch, in dem aufgedeckt wird, warum Männer im Durchschnitt fünf Jahre früher sterben als Frauen: Weil sie wenig über sich wissen. Und warum wissen sie so wenig? Weil kluge Frauen die Bildung von Männern massiv behindern.

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„Ich möchte Ihnen von einem Problem berichten, das nur Männer haben.*

Vor drei Jahren erschien die Erstausgabe von Einsame Klasse. Warum Männer nicht altern. Ich bat meine Verlegerin, das Buch nicht in die Ratgeber- oder Lebenshilfe-Ecke einzuordnen. Denn nichts hasse ich mehr als Beziehungs-Ratgeber in Lebenshilfe-Ecken, ausgenommen vielleicht Bücher in bunten Umschlägen, die vom „Geheimnis der Dualseelen“ und dem „Einklang mit dem Universum“ berichten.

Ich schrieb also: DIESES BUCH IST KEIN RATGEBER. Es will nicht konkurrieren mit „Denke nach und werde reich“ oder „Sorge dich nicht, lebe!“ Es enthält keine goldenen Regeln für den Alltag, es ist weder Glückscode noch Männerkunde, und es beschreibt auch keinen inneren Weg zum eigenen Selbst.

Da ich fürchtete, im Buchhandel zwischen die Sparten „Geschenkbuch“ und „Partnerschaft“ zu geraten - also in jene Abteilungen, die ein Mann niemals freiwillig betreten wird - schrieb ich einen Offenen Brief an alle Buchhändlerinnen der Bundesrepublik Deutschland, und gleich noch einen zweiten an die Vertreter, die den Buchhändlerinnen die Neuerscheinungen der Verlage ans Herz legen.

In diesen Offenen Briefen (die nie abgeschickt wurden, weil meine Verlegerin sie für kontraproduktiv hielt) zitiere ich aus einschlägigen Untersuchungen über das Leseverhalten von Männern. Es ist - kurz gesagt - Besorgnis erregend. Ich schrieb: Ein Buch wie das vorliegende wäre im Media-Markt oder im App-Store von Apple besser aufgehoben als in der Gesundheitsecke von Hugendubel oder Thalia.

Raten Sie mal, was passierte. Bei Amazon fand sich das Buch in der Hauptkategorie „Bücher“ (zutreffend!). Die Hauptkategorie verzweigte sich dann aber in drei Schritten in folgende Unterkategorien: „Ratgeber“, „Gesundheit & Medizin“ und „Männer“. Und genau das ist der Punkt, den ich hier einmal ansprechen möchte: Männer existieren im deutschen Buchhandel lediglich als Unterkategorie von „Ratgeber“ und „Gesundheit“. Und da wundern sich deutsche Buchhändlerinnen, dass Männer nicht lesen! Wenn man sie dort einsortiert, wo sie auf gar keinen Fall einsortiert werden wollen.

Doch es war überall so. Selbst in meiner geliebten Hamburger Heine-Buchhandlung stand das Buch in der Psychologie-Abteilung - eingezwängt zwischen „Gender-Forschung“ und „Sterbehilfe“. In den Medien wurde es... als Ratgeber besprochen.

Inzwischen habe ich es aufgegeben, mich dagegen zu wehren. Denn die Buchhändlerinnen wissen sehr genau, was sie tun. Sie sind eine starke Macht.

Und ich? Ich weiß leider selbst nicht, in welche Kategorie Männer heute passen würden. Vielleicht gibt es keine Kategorie für sie.“

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*Dieser Text ist das Vorwort zur Taschenbuchausgabe von „Einsame Klasse“ (dtv München, August 2010)


 

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Uly Foerster

http://agewatch-blog.com

Montag, 02-08-10 09:31

Die Erkenntnis, dass man mit seinem Schicksal nicht alleine ist auf der Welt, hat immer etwas Tröstliches. Danke, danke. Mein Werklein "Alte Väter " (Fackelträger Verlag) ist ausweislich des Vorwortes keines dieser Papa-Handbücher, in denen Männer die besondere Herausforderung und Leistung beschreiben, ein Kleinkind zu wickeln. Es richtet sich auch nicht nur an diejenigen unter den jährlich 35 000 Männern, die im Alter von über 50 Vater werden und es für ein furchtbares Schicksal halten, als Opa angesprochen zu werden, wo sie doch der Papa sind. Mein Werk soll auch jene jungen Frauen erreichen, die mit diesen alten Kerlen - aus welchen Gründen auch immer - zusammenleben und Kinder haben. Es ist kein Sachbuch, jedenfalls nicht nur, denn es sollte nach den Wünschen des Verlages eine persönliche Erzählung sein. Ohne irgendwas mit "authentisch" geht ja heute nichts mehr. Und wo steht es in den Buchhandlungen? Zwischen den Papa-Handbüchern natürlich. In der Abteilung Alters-Ratgeber. Und einige Online-Versender haben es sogar geschafft, es unter die Rubrik "Erotische Literatur" einzuordnen. Umso schöner, wenn es doch einige Leser gefunden hat, die es ganz lustig fanden.

 
 

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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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