Heute: Das liebliche Fest

Pfingsten ist nicht so heilig, wie es klingt

Pfingstsonntag, das Wetter ist so lieblich, wie es sich gehört, alle genießen den Tag, bis auf einen: Ich muss noch den sonntäglichen Wortwechsel abliefern, und der besteht bisher aus jenen 202 Zeichen, die Sie soeben gelesen haben, Leerzeichen inklusive.

Mit freundlichem Einverständnis der MAGDA-Leser, die, auf einer besonnten Lichtung liegend, ihr iPhone zärtlich abtasten, machen wir’s für heute kurz und handeln flüchtig eine ordinäre Ordinalzahl mit den sehr sehr deutschen Anfangsbuchstaben Pf ab. Schauen Sie mal, nur zum Beispiel, in ein englisches oder spanisches Wörterbuch – Sie werden kein Wort finden, das mit pf beginnt.

Die ollen Kamellen mit der Lautverschiebung von p zu pf, darauf pfeifen wir heute und pflücken (von lateinisch piluccare, auszupfen, enthaaren, rupfen) aus der Vielzahl von Pf-Wörtern nicht Pferd, nicht Pfahl, nicht Pflanze, nicht Pflaster (sämtlich in deutsche Tracht gekleidete Lehnwörter aus dem Lateinischen). Wir nehmen auch nicht pfui („pfui unseres Unglaubens“, soll Luther in einer seiner Tischreden gesagt haben), sondern, genau zum Datum, das Fingstfest.

Ferd, Faffe, Fingsten, Flanze, Flaster, Flegeversicherung, diese Abschweifung ist hier beinahe Flicht ­- fast die Hälfte der deutschsprechenden Leute unterschlägt das P vor dem F, und dabei geht so gut wie nichts verloren, nur hin und wieder eine Freundschaft. Wann immer ich jemanden gefragt habe, warum er Flicht statt Pflicht oder Flaume statt Pflaume sagt, stellte sich mit der Diskussion eine gewisse Entfremdung bei jenen ein, die meine Frage als Kritik verstanden. Ein amerikanischer Freund, der, vom Pf abgesehen, ein beneidenswert makelloses Deutsch spricht, konterte, unsachlich, mit der Feststellung, dass ich, beim Sprechen, nicht zwischen stimmlosem und stimmhaftem S unterscheiden könne ­– womit er Recht hat. Ich rechtfertigte mich mit dem Makel, dass ich Franke bin, was die Freundschaft halbwegs rettete.

An Pfingsten, dem lieblichen Fest (Goethe) wird die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Jünger Christi gefeiert, fünfzig Tage nach Ostern, dem Termin, an dem laut Bibel der Gekreuzigte auferstanden ist. Wie das mit dem Ausgießen zuging, wissen wir nicht so recht, die iPhones hielt der Schöpfer damals noch in Reserve. Warum Er sich, den Ostersonntag mitgezählt, fünfzig Tage Zeit nahm, um die Jünger mit Geist zu überschütten, können nur Gottesgelehrte von Ratzinger-Format beantworten. Fest steht für einfache Gemüter, dass das Wort Pfingsten eine Umformung der griechischen Ordinalzahl pentekoste ist, die schlicht der fünfzigste heißt. Übers Gotische soll sich der Begriff ins Deutsche geschlichen haben, ein schönes kleines Pfingstwunder.


 


Mit ... teilen: 



Artikel empfehlen
Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


NEU

Streit
18.04.2012

Leidenschaften
17.06.2012

Abwesenheitsnotiz
18.11.2011

Kopkas Tagebuch
19.12.2011

Wiese und Weltall
17.12.2012

Bel Etage
11.06.2012

KrossMedia
12.03.2012