Heute: Zapfenstreich, Endspiel

Köhler ausgewechselt, Wulff am Spielfeldrand

Das wär' doch was gewesen. Bundespräsident Horst Köhler wäre zum WM-Endspiel auf den Kontinent gereist, dessen Zukunft ihm besonders am Herzen liegt, hätte das Endspiel Südafrika – Deutschland von der Ehrentribüne aus verfolgt, irgendwie hätte das Protokoll schon dafür gesorgt, dass er nicht Seit an Seit mit Angela Merkel sitzen muss, und dann hätte er den deutschen Kickern zur Weltmeisterschaft oder, kann ja mal passieren, zur Vizeweltmeisterschaft gratulieren dürfen, so herzlich, so froh.

Stattdessen, am Dienstag, dem 15. Juni, ein anderes Endspiel, der Große Zapfenstreich in Berlin. Merkel war da, Westerwelle war da, und die Musikanten unserer Streitkräfte gaben alles, Jazz inclusive. Nun wissen ja so gut wie alle, was das Wort Zapfenstreich eigentlich bedeutet, aber ehe wir uns wieder in die Sprache des Sports vertiefen, erinnern wir die paar Sprach- und Sportfreunde, die es vergessen haben sollten, daran, dass mit dem Zapfen jenes Rundholz gemeint war, das der Wirt hörbar ins Fass schlug, nachdem er die letzten Becher Wein oder Humpen Bier oder Most ausgeschenkt hatte.

Zapfenstreich hieß: Ende der Sauferei, gibt nix mehr. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurde das, zuerst bei den Truppen Wallensteins, musikalisch überhöht, das heißt, es gab Signale der Regimentstrommler und Regimentsbläser, wenn die Soldaten aus den Schenken oder von den Lagern der Schutzbefohlenen der Mutter Courage in ihre Quartiere zurückkehren mussten, damit sie am nächsten Tag wieder gut katholisch ausgeruht auf die falschgläubigen Schweden und deren gotteslästerliche deutsche Spießgesellen eindreschen konnten.

Zapfenstreich, Schluss mit lustig, jetzt muss Ruhe sein, und bis auf weiteres sind wir auch nicht so entsetzlich neugierig auf die angeblich wahren Gründe, die dafür sorgten, dass Teamkapitän Köhler um Auswechslung bat. Es könnte ein kleiner Krampf gewesen sein. Coach Merkel (nein, nicht der legendäre Meistermacher Max, sondern Angela) hat den Regionalligisten Christian Wulff an den Spielfeldrand geschickt, damit er auf der Ersatzbank nicht mehr so nervt. Eben zeigt er seine ganz flachen Stollen. Tshabalala-Treffer sind nicht zu erwarten, aber er wird gefällig mitkicken in diesem Match.

Das englische Wort match kam im letzten Jahrhundert, mit Dutzenden anderer Sport-Ausdrücke, zu uns, es ist verwandt mit unserem machen. Wer oder was füreinander gemacht ist, passt zusammen. Die Musical-Zeile matchmaker, matchmaker, make me a match bedeutet: Heiratsvermittler, such mir jemand, der zu mir passt. In der Sportsprache wurde aus dem Match ein Wettkampf mit Leuten, die passten, also Gegner, die es wert waren, dass man gegen sie Tennis, Golf, Hockey, Cricket, Polo oder Fußball spielte.

So stottern wir in unserem basic English: The North Koreans were a real match for the Brazilians, at least in the first half. And on Friday, the Serbs will be a match for the Germans, you bet.

Wir könnten, übungshalber, auch sagen: Smart Mr. Wulff may be a nice guy, but he won’t match Mr. Heinemann or Mr. Von Weizsäcker, nor is he able to match the man who will probably loose in the Federal Assembly’s vote, Mr. Gauck. Nevertheless, Gauck is a match.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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