Die Feuerwehr

Oberbayerische Miniaturen, Teil 2

Von Tom Dauer

Copyright: Tom Dauer

Die Einladung

Wir wohnten noch keinen Monat auf der Wildschwaige, da fragte mich der Ziagla-Hans, ob ich schon bei der Feuerwehr sei. Ich blickte ihn ratlos an. Ja, denn wenn es brennt, werde jeder Mann gebraucht. Und außerdem sei es immer gut, etwas für die Gemeinschaft zu tun. „Fias Dorf“, sagte der Ziagla-Hans. Zwei Tage später hatte ich einen Helm, eine rotblaue Jacke, eine Brandschutzhose und feuerfeste Handschuhe. Unser kleiner Mensch, der drei Jahre alt ist, war sehr stolz auf seinen Papa.

In den vergangenen Wochen nahm ich zwei Mal wöchentlich an Übungen teil. Denn „wennsd scho bei da Faiawahr bisd“, hatte der Ziagla-Hans gesagt, „na konst a glai gscheid midmacha“. Abwechselnd wurde ich also Angriffstruppmann, Melder, Schlauchtruppführer und Depp vom Dienst – wenn ich den Hydranten links- statt rechtsherum aufdrehen wollte. Bei der Prüfung klappte es trotzdem. Jetzt darf ich das bronzene Leistungsabzeichen der Freiwilligen Feuerwehr Schmidham tragen. Unser kleiner Mensch freut sich darüber sehr.

Kürzlich bekam ich von unserem Kommandanten eine Einladung zum „175-jährigen Gründungsfest des Veteranen- und Kriegervereins Valley-Kleinhöhenkirchen“. Ein Sonntag mit Kirchenzug, Kranzniederlegung und Festgottesdienst. „Wir bitten um zahlreiche Beteiligung in Uniform“, stand auf dem Schreiben. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich zog meine Ausgehuniform an, blaue Hose, blaues Jacket, blaue Kappe, graues Hemd. Unser kleiner Mensch lachte sehr, als er mich sah. Und ich erinnerte mich daran, dass ich nie im Leben eine Uniform tragen wollte.

Außer wenn es wirklich brennt.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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